DFB-Team: Über "hohes Verteidigen" und offensive "Aggressivität"

Joachim Löw tut die Systemfrage nonchalant ab. Es spiele "keine Rolle", ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einer Dreier- oder Viererkette in der Abwehr agiere, sagt der Bundestrainer. 3-4-3, 4-5-1 oder 5-4-1 - eine Diskussion für Taktik-Nerds? Nicht nur.

Joachim Löw tut die Systemfrage nonchalant ab. Es spiele "keine Rolle", ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einer Dreier- oder Viererkette in der Abwehr agiere, sagt der Bundestrainer. 3-4-3, 4-5-1 oder 5-4-1 - eine Diskussion für Taktik-Nerds? Nicht nur.

Joachim Löw tut die Systemfrage nonchalant ab. Es spiele "keine Rolle", ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einer Dreier- oder Viererkette in der Abwehr agiere, sagt der Bundestrainer. 3-4-3, 4-5-1 oder 5-4-1 - eine Diskussion für Taktik-Nerds? Nicht nur.

Ein Blick auf die Statistik der jüngsten Länderspiele einschließlich der EM 2016 belegt, dass die Wahl des Systems einen großen Einfluss auf die Anfälligkeit der Hintermannschaft hat. In 21 Begegnungen setzte Löw zehnmal auf drei, elfmal auf vier Verteidiger. Zu dritt kassierte die Abwehr bei durchschnittlich 15 Schüssen pro Spiel 0,7 Gegentore - zu viert ließ sie nur sechs Schüsse und 0,3 Gegentore zu.

Mit Dreierkette zum Titel

Gegnerische Stürmer waren gegen eine deutsche Dreierkette in diesem Zeitraum viermal erfolgreich, gegen vier DFB-Verteidiger gar nicht. Zudem kamen die Widersacher gegen drei deutsche Defensive zu mehr Großchancen (8:3). Beim Confed-Cup-Triumph, wo Löw durchweg auf eine Dreierreihe baute, blieb die deutsche Elf nur einmal ohne Gegentreffer - mit viel Glück im Finale gegen Chile (1:0). Mexiko gab im Halbfinale 25 Schüsse auf das deutsche Tor ab - laut Sport Bild so viele wie kein Team seit Beginn der Daten-Erfassung 1994.

Wird Löw auf diese Erkenntnisse angesprochen, verweist er auf die größere Bedeutung der Mentalität gegenüber der Systematik. Es gehe dem Weltmeister unabhängig von der Taktik meist darum, "dem Gegner in der Offensive unser Spiel aufzuzwingen", sagt er. Außerdem mache besonders Jonas Hector auf links als "Pendler" zwischen Abwehr und Angriff das System so variabel, "dass beides relativ häufig gut funktioniert hat". Ähnlich ist die Rolle von Joshua Kimmich auf rechts.

Löw: "Offensiv verteidigen"

"Mit einem Verteidiger mehr in der Reihe kann man ein Stück weit offensiver verteidigen und früher Druck auf seinen Gegenspieler machen", erläutert Hector, "das ist der gravierende Unterschied." Der Grundsatz des "hohen Verteidigens" sei aber "in beiden Systemen ähnlich". Laut Kimmich hat die DFB-Elf beide Systeme gleichermaßen "in petto".

Dass Löw zuletzt in Russland stets auf drei Defensive vertraut hatte, sei "auch den Spielern geschuldet" gewesen, "die wir dabei hatten". Die Stammverteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels fehlten dort.

Inzwischen ist aber auch eine Dreierreihe mit den beiden und ihrem neuen Münchner Kollegen Niklas Süle oder Antonio Rüdiger vorstellbar. Auch die derzeit unberücksichtigten Weltmeister Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi spielen in ihren Klubs in einer Dreierkette.

Hummels berichtet, er habe keine Vorliebe. Kniffliger sei jedoch die Dreierkette zu handhaben, ein "offensiv sehr aggressives System". Dabei "darf man nicht zu defensiv werden, damit man im Mittelfeld nicht den Zugriff verliert", betonte er.

Die gar nicht so unwichtige Frage nach Dreier- oder Viererkette wird dann von einer Anschlussfrage beantwortet: Sechser oder Doppelsechs?

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