DFB-Präsident Reinhard Grindel zum Holocaust-Gedenktag: "Müssen uns vor jeden stellen"

Anlässlich des Holocaust-Gedanktages hat DFB-Präsident Reinhard Grindel in seiner Ansprache bei einer Gedankveranstaltung zu Toleranz aufgerufen.

Aus Anlass des internationalen Holocaust-Gedenktages hat Präsident Reinhard Grindel vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Verantwortung des Sports im Kampf gegen Antisemitismus und Ausgrenzung betont. "Wir müssen uns vor jeden stellen, der wegen seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Ethnie oder sexuellen Orientierung angegriffen wird. Wer gegen die Werte des Fußballs verstößt, dem müssen wir die Rote Karte zeigen", sagte Grindel bei einer Gedenkveranstaltung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Der Einsatz für eine demokratische Gesellschaft und ihre Werte verbiete dem Fußball eine Fokussierung ausschließlich auf sportliche Belange. "Ob wir es wollen oder nicht", erklärte der DFB-Chef vor rund 250 Gästen mit Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth an der Spitze, "die Herausforderungen des Alltags erlauben es nicht, dass der Fußball sich auf die lang geübte Floskel zurückzieht, dass der Sport unpolitisch ist, im Gegenteil: Er ist nicht unpolitisch, und er war es nie."

Grindel erinnerte auch erneut an das Versagen des organisierten Fußballs während der Nazi-Herrschaft in Deutschland ab 1933. "Der Ausschluss aus den Fußballvereinen war der erste Schritt auf dem langen Weg der Ausgrenzung und Entrechtung der Juden in Deutschland. Der Fußball hatte sein moralisches Rüstzeug in vorauseilendem Gehorsam aufgegeben. Es ist eine traurige Wahrheit: Auch der Fußball hat 1933 versagt, die Vereine, der DFB, sie waren keine Widerstandskämpfer."