DFB-Pokal: FC Bayern vor dem Pokalfinale: Trotzdem nur ein Trostpreis

Der FC Bayern München ist im DFB-Pokalfinale am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (ab 20 Uhr im LIVETICKER ) haushoher Favorit. Beim letzten Spiel von Jupp Heynckes als Trainer und Duell gegen dessen Nachfolger gibt es Anlass für Emotionen. Besonders aufgrund des Weges ins Finale wäre der Titelgewinn für die Bayern eine große Genugtuung. Trotzdem fühlt sich der Pokal wie ein Trostpreis an.

Der FC Bayern München ist im DFB-Pokalfinale am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (ab 20 Uhr im LIVETICKER) haushoher Favorit. Beim letzten Spiel von Jupp Heynckes als Trainer und Duell gegen dessen Nachfolger gibt es Anlass für Emotionen. Besonders aufgrund des Weges ins Finale wäre der Titelgewinn für die Bayern eine große Genugtuung. Trotzdem fühlt sich der Pokal wie ein Trostpreis an.

"Da werden Emotionen hochkommen. Berlin ist das deutsche Wembley." Jupp Heynckes ist schon in der Vergangenheit nie müde geworden, den ganz großen Vergleich für das deutsche Pokalfinale zu bemühen. Am Freitag wiederholte er diesen und stellte die Verbindung zum Ort seines größten Erfolges als Bayern-Trainer her.

Vor seinem (wahrscheinlich diesmal endgültig) letzten Spiel als Bayern-Trainer wirkte der 73-Jährige entschlossen. Das Finale um den DFB-Pokal bezeichnete er zum Abschluss der Vereinssaison als "absolutes Highlight in meiner Biographie".

Jupp Heynckes will sich mit Titel vom FC Bayern verabschieden

Keine Frage, Heynckes möchte sich nach dem Ausrutscher am letzten Bundesligaspieltag gegen den VfB Stuttgart im Pokalfinale standesgemäß verabschieden. Und standesgemäß heißt beim FC Bayern: mit einem Titel.

Das forderte am Freitag auch Karl-Heinz Rummenigge: "Wenn wir unseren Trainer schon verabschieden müssen, dann wollen wir das mit dem Double tun", sagte der Vorstandsvorsitzende. Deswegen wolle man aus dem Finale "ein Spiel für den Jupp" machen.

Doch so richtige Euphorie, das schien durch alle Aussagen der Beteiligten hindurch, käme bei den Bayern im Falle eines Finalsiegs am Samstagabend nicht auf. Da halfen auch die rhetorischen Kniffe von Heynckes nicht, mit denen er versuchte, die Bedeutung des Pokalfinals für den Klub groß zu reden. Der Titelgewinn wäre die Erfüllung einer Pflicht.

DFB-Pokal fühlt sich für den FC Bayern wie ein Trostpreis an

Seit der spektakulären Rückholaktion von Heynckes im Oktober hatten alle in schöner Regelmäßigkeit den Vergleich zur Triplesaison bemüht. Der Geist des Triples war an der Säbener Straße wieder allgegenwärtig. So versetzte das erneute Ausscheiden gegen Real Madrid in der Champions League den gesamten Verein in eine Schockstarre.

Der FC Bayern hat immer die höchsten Ansprüche. Und die höchste Ansprüche zu haben, heißt aus Münchner Sicht eben, in der Champions League anzugreifen. Insofern fühlt sich der DFB-Pokal an wie ein Trostpreis. Qua Selbstverständnis soll das Finale gewonnen werden, logisch. Die Sehnsucht danach ist jedoch nicht mit der der Frankfurter vergleichbar.

FC Bayern steht zum 22. Mal im DFB-Pokalfinale

Und wie soll die Aussicht auf einen Pokalsieg für die Bayern auch so besonders sein wie für die Eintracht? Deren letzter Titelgewinn liegt genau 30 Jahre zurück. Seit dem DFB-Pokalsieg 1988 warten die Frankfurter darauf, am Römer eine Trophäe präsentieren zu dürfen.

Das ist bei den Bayern anders. Der Marienplatz in München ist quasi per Dauerauftrag reserviert. Jedes Jahr zeigen sie dort in Lederhosen mindestens eine, meist zwei Trophäen und machen Gaudi. Die Zeile aus einem Fanlied "Wir sind diejenigen, die immer wieder feiern" traf selten so sehr zu wie in den letzten Jahren.

Auch das Pokalfinale ist Routine. Sie spielen am Samstag bereits ihr 22. davon, alleine in den letzten 20 Jahren ist es Nummer 13. Da kribbelt es eben nicht immer wie beim ersten Mal.

Den eigentlichen Weißen Wal, das Finale der Champions League, sahen die Bayern nun seit fünf Jahren nicht mehr. Es ist menschlich, dass dort die Emotionen höher kochen.

FC Bayern: Siege gegen Leipzig, BVB und Leverkusen

Dabei wäre ein Pokalsieg in diesem Jahr für die Bayern eine besondere Genugtuung und ein besonders dickes Ausrufezeichen. Schließlich schlugen die Münchner auf dem Weg ins Finale RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Viel schwieriger hätte die Auslosung für den Rekordmeister nicht ausfallen können.

Doch mit Ausnahme der sehr engen Kiste in Leipzig walzte der FC Bayern überzeugend und gnadenlos durch den Wettbewerb. Als hätten die 21 Punkte Vorsprung in der Meisterschaft nicht gereicht, um doppelt mit Rotstift zu unterstreichen, wer im nationalen Fußball die Hosen anhat.

FC Bayern gegen Frankfurt: Bayerns Weg ins Finale

Runde Gegner Ergebnis aus Bayern-Sicht
1. Runde Chemnitzer FC (A) 5:0
2. Runde RB Leipzig (A) 6:5 n.E.
Achtelfinale Borussia Dortmund (H) 2:1
Viertelfinale SC Paderborn (A) 6:0
Halbfinale Bayer Leverkusen (A) 6:2

Jupp Heynckes trifft auf Nachfolger Niko Kovac

Zudem sorgt die Konstellation auf den Trainerbänken für eine emotionale Ausnahmesituation. Dass Heynckes in seinem letzten Spiel auf seinen Nachfolger Niko Kovac trifft, hat etwas von Hollywood. Erneut könnte Heynckes seinem Nachfolger einen ganzen Sack Steine in den Rucksack packen, bevor dieser das Amt beim FC Bayern antritt.

Bereits bei seinem offiziellen Abschied vor fünf Jahren hatte Heynckes Pep Guardiola die denkbar schwierigste Aufgabe hinterlassen, auf einen Triple-Trainer zu folgen.

Sollten die Bayern die Eintracht nun ähnlich demütigen wie vor vier Wochen, als die C-Elf des Meisters die Frankfurter mit 4:1 abschoss, käme Kovac nicht mit dem breitesten Kreuz nach München. Zumal er nach dem zweiten Rückrunden-Einbruch in Serie ohnehin schon in der Kritik steht. Und zumal im Falle einer Niederlage auch die bereits deutlich abgekühlte Liebe der Frankfurter Fans komplett in Abneigung umschlagen und Kovac damit weiter zusetzen könnte.

Müller: Niko Kovac soll erst beim FC Bayern Titel holen

Doch Mitleid mit dem zukünftigen Trainer wollen die Bayern nicht zeigen: "Titel soll er erst holen, wenn er bei uns auf der Bank sitzt", sagte Thomas Müller kürzlich.

Natürlich ist das Pokalfinale in Berlin für die Spieler des FC Bayern ein Saisonhöhepunkt. Ein Finale, das die Mannschaft unbedingt gewinnen will. Doch es ist allen Vorzeichen zum Trotz für eine emotionale Veranstaltung eben nicht der Saisonhöhepunkt, den sich alle erhofft hatten. Nicht das Finale, das die Mannschaft unbedingt spielen wollte.

Es ist eben doch nur ein Trostpreis. Und das Olympiastadion dann doch nicht Wembley.

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