DFB-Krisengipfel wegen Referees

Hellmut Krug ist beim DFB als Videochef abgesetzt worden

Der Schiedsrichter-Streit und die Diskussion um den Videobeweis werden zur Chefsache. Nach SPORT1-Informationen treffen sich am heutigen Montag DFB-Präsident Reinhard Grindel, der für das Schiedsrichterwesen zuständige Vizepräsident Ronny Zimmermann sowie die Schiedsrichter-Bosse Herbert Fandel, Hellmut Krug und Lutz Michael Fröhlich zu einem Krisen-Gipfel in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

Zwar findet ohnehin regelmäßig montags ein Treffen in diesem Rahmen statt. Doch diesmal geht es um den ausufernden Zoff der Unparteiischen in den vergangenen Wochen, um Vorwürfe gegen Video-Boss Krug und die Aufweichung des Videobeweises - über den Kopf von Grindel hinweg.

Krug soll Einfluss genommen haben

Krug war in den letzten Tagen verstärkt unter Druck geraten. Die Bild hatte am Sonntag berichtet, dass Krug in seiner Funktion als Supervisor in der Videozentrale in Köln unerlaubterweise Einfluss auf die Entscheidungen der Video-Assistenten genommen haben soll. Auch soll der DFB zumindest von den grundsätzlichen Vorwürfen gegen Krug gewusst haben, weil die Schiedsrichter Manuel Gräfe und Felix Brych davon bereits am 17. Oktober beim gescheiterten "Friedensgipfel" berichten haben sollen.

Die neuen Manipulationsvorwürfe gegen Krug waren der Ethikkommission des DFB bei einem Schlichtungsgespräch in der vergangenen Woche allerdings noch nicht bekannt. Nach SID-Informationen wurden die Anschuldigungen bei der Aussprache der Beteiligten am 30. Oktober mit dem früheren Bundesaußen- und Justizminister Klaus Kinkel nicht vorgebracht. Eine nachträgliche Ermittlung scheint nicht geplant zu sein.


Damals, als über die Mobbing-Vorwürfe gegen den Leiter des Videoprojektes und Herbert Fandel, den Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichterkommission, gesprochen wurde, soll es um das Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96 (2:1) am 30. September gegangen sein. Im Anschluss, so die Vorwürfe, soll Krug auch bei der Partie von Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg (1:1) am 28. Oktober eingegriffen haben, indem er den eigentlichen Video-Assistenten Marco Fritz zweimal bei Strafstoß-Entscheidungen zu Gunsten der Königsblauen überstimmt haben soll. Krug und Fritz bestreiten das.

Ethikkommission schlägt Kompromiss vor

Die Ethikkommission hatte nach dem Schlichtungsgespräch mit allen Beteiligten in der vergangenen Woche einen Kompromiss vorgeschlagen, der vom DFB angenommen wurde. Krug wurde aus der Schiedsrichterkommission abgezogen, Fandel darf nicht mehr bei den Schiri-Lehrgängen anwesend sein. Schiedsrichter Manuel Gräfe, der die Vorwürfe öffentlich gemacht hatte, wurde untersagt, sich weiter öffentlich zu äußern. Außerdem wird der Unparteiische nicht mehr als Videoassistent eingesetzt - vor allem, um die beruflichen Berührungspunkte mit Krug zu minimieren.