DFB greift im Schiri-Streit durch - Maulkorb für Gräfe

Nach seinen Äußerungen ist Manuel Gräfe vom DFB degradiert worden

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im Schiedsrichterstreit drei Gelbe Karten verteilt und teils harte Konsequenzen gezogen.

Wie der Verband am Freitagabend mitteilte, stimmten die Streithähne Hellmut Krug, Herbert Fandel und Manuel Gräfe einem Kompromissvorschlag der neuen Ethikkommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesaußenministers Klaus Kinkel zu.

Gräfe kein Video-Assistent mehr

Und dieser hat es durchaus in sich: Krug muss seine Funktion in der Schiedsrichterkommission Elite aufgeben, bleibt aber Leiter des Projektes Video-Assistent.

Fandel besucht keine Lehrgänge der Elite-Schiedsrichter mehr, bleibt aber auf Wunsch der Mehrheit der Bundesligaschiedsrichter ihr Coach. Beide verlieren durch die Entscheidung an Einfluss.


Gräfe, der die öffentliche Auseinandersetzung durch Vorwürfe gegen Krug und Fandel ausgelöst hatte, darf sich in Zukunft "nicht mehr unabgestimmt in der Öffentlichkeit äußern. Andernfalls wird er nicht mehr als Schiedsrichter in der Bundesliga eingesetzt", heißt es in der DFB-Mitteilung.

Kinkel zeigt sich optimistisch

Außerdem werde Gräfe ab sofort nicht mehr als Video-Assistent in der Bundesliga eingesetzt. Dadurch hat der 44-Jährige in Zukunft kaum mehr beruflichen Berührungspunkte mit Krug.

"Wir haben uns in den zurückliegenden Tagen in intensiver Arbeit einen Überblick über die Vorwürfe und die Lage im Schiedsrichterwesen gemacht", sagte Kinkel.

Und weiter: "Aufgrund der Vielzahl der Gespräche und Kontakte gehe ich davon aus, dass die erreichte Vereinbarung zu einer versöhnlichen Regelung und Entspannung der aktuellen Situation im Schiedsrichterbereich des DFB beitragen wird."

Friedensgipfel ohne Einigung

Kinkel und seine Kommission hatte nach Gesprächen mit allen Beteiligten den "Kompromissvorschlag" an den DFB übermittelt.

Öffentlich geworden war der Streit durch Gräfes wiederholte Anschuldigungen. Er warf den beiden Funktionären Krug und Fandel schlechten Führungsstil und Vetternwirtschaft vor. Der erfahrene Unparteiische hatte von einem krankenden System berichtet, im dem Beeinflussung und Manipulation von Untergebenen an der Tagesordnung stünden.

Ein vierstündiger "Friedensgipfel" in Frankfurt/Main hatte Mitte Oktober keine Einigung gebracht - im Gegenteil wurden Gräfes Vorwürfe von Schiedsrichter-Sprecher Felix Brych offensichtlich in weiten Teilen untermauert.

"Es ist seit Jahren unser ausdrücklicher Wunsch, dass uns die Unparteiischen umgehend mitteilen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind, Probleme oder Verbesserungspotenziale sehen", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann: "Jedoch ist es im Sinne aller Beteiligten, dass diese Kritikpunkte intern vorgebracht werden. Mit der Vereinbarung ist die Basis gelegt, weiter sachorientiert zusammenzuarbeiten."

Der Vorschlag sehe zudem vor, dass weiter an einer modernen, transparenten und gerechten Struktur gearbeitet werde. "Den Hinweis der Kommission nehmen wir als Ansporn, den Weg weiterzugehen und die noch offenen Punkte konsequent anzugehen", sagte Zimmermann.