DFB-Elf im Klassiker: Erst Feuerwerk, dann Langeweile

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Die deutsche Nationalmannschaft hat im ersten Testspiel auf dem Weg zur WM 2018 in Russland ein 0:0 gegen England geholt. Die Yahoo Sport Analyse des Klassikers im Londoner Wembleystadion.

Leroy Sane spielte in seiner Wahlheimat von Beginn an

Aufstellung Deutschland (3-4-2-1)

Ter Stegen – Rüdiger, Hummels, Ginter – Kimmich, Gündogan, Halstenberg, Özil – Draxler, Sane – Werner

Bundestrainer Löw ermöglicht Leipzigs Marcel Halstenberg das Länderspieldebüt. Kapitän Hummels ist Chef der Dreierkette, davor soll Gündogan die Fäden im Mittelfeld ziehen. In der Offensive setzt Löw auf Kreativität und Schnelligkeit.

Das fiel auf

  • Deutschland wurde anfangs nach Diagonalbällen der Engländer auf deren rechte Angriffsseite überrumpelt. Generell hatte die DFB-Elf Probleme, wenn die Three Lions über die Flügel durchkamen. Die größte Chance der Engländer durch Vardy kurz nach Pause entstand durch einen Angriff über die rechte Seite.
  • Bis auf die jeweils ersten fünf Minuten beider Halbzeiten hatte Deutschland absolute Spielkontrolle. Über Hummels und Gündogan wurden die Spielzüge inszeniert. Draxler und vor allem Sane machten auf den Halbpositionen im letzten Drittel Dampf und Werner lauerte auf die Zuspiele, die dann auch einige Male kamen.
  • Nach einer turbulenten ersten Halbzeit mit Torszenen auf beiden Seiten wurde die Partie in Hälfte zwei immer schwächer. Deutschland machte viel zu wenig aus den hohen Ballbesitzzeiten, scheute Tempoverschärfung und Risiko. England begnügte sich damit, die DFB-Elf vom eigenen Tor fernzuhalten.

Der Star des Spiels

Bewegungsablauf, Ballbehandlung – Leroy Sane zuzuschauen, ist einfach eine Augenweide! Der Star von Manchester City hat sich unter Pep Guardiola prächtig entwickelt und vor allem spieltaktisch einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sane war immer anspielbar und hatte auch auf engstem Raum immer eine Lösung parat. Hatte Pech bei zwei Abschlüssen, traf bei einem Schuss aus 16 Metern nur die Latte. Tauchte nach der Pause etwas ab, ist in dieser Form aber ein sicherer WM-Teilnehmer mit guten Chancen auf einen Platz in Löws erster Elf.

Die Szene des Spiels

23. Minute: Nach einer klasse Kombination über Gündogan und Özil, steht Werner blank vor England-Keeper Pickford. Werners Flachschuss pariert Pickford stark, die Kugel landet aber auf Sanes Fuß. Der schlenzt den Ball aus 13 Metern Richtung linken Giebel, trifft aber nur Jones’ Kopf. Den nächsten Abpraller schaufelt Draxler aus zehn Metern über den Kasten. Dreifach-Chance in sechs Sekunden nicht genutzt!

Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Ter Stegen: Starke Parade gegen Vardys Kopfball, ansonsten beschäftigungslos. Note: 2,5

Ginter: Beschränkte sich auf das Vermeiden von Fehlern, was ihm weitgehend gelang. Note: 3,5

Hummels: Zweikampfstark und sicher im Spielaufbau. Stand allerdings bei Vardys Kopfball völlig falsch. Note: 3

Rüdiger: Hatte seine linke Abwehrseite nicht immer im Griff. Im Passspiel  Note: 3,5

Kimmich: Im Vergleich zu den letzten Länderspielen als Rechtsverteidiger ungewöhnlich unauffällig. Passspiel war ok, aber ohne Szene in der Offensive. Note: 4

Gündogan: Kommt nach langer Verletzungspause immer besser in Tritt, benötigt aber noch Spielpraxis. Solider Auftritt als Schaltzentrale nach einem Jahr Nationalmannschaftspause. Note: 3

Halstenberg: Vernünftiges Debüt ohne Ausschläge nach unten oder oben. Beackerte seine linke Mittelfeldseite und warf sich in die Zweikämpfe. Note: 3

Draxler: Vergab weine Großchance, war aber an vielen brauchbaren Angriffen beteiligt. Note: 3

Özil: Wie immer mit Licht und Schatten. Zucker-Pass auf Werner vor der Dreifach-Chance, ansonsten aber mitunter wieder mal schlampig im Passspiel und ohne Biss. Note: 4,5

Sane: siehe Star des Spiels. Note: 2

Werner: Prallte gleich in der 1. Minute mit Pickford zusammen und musste behandelt werden. Danach mit zwei guten Chancen, doch Pickford blieb jeweils Sieger. Note: 4