DFB-Elf als Topfavorit zur EM - Keine Diskussion um Schult

Die deutschen Fußballerinnen sind die Favoriten bei der EM. Foto: Uwe Anspach

Nach der vielversprechenden EM-Generalprobe mit kleinen Schönheitsfehlern hat Steffi Jones eine unliebsame Diskussion um Stammtorhüterin Almuth Schult im Keim erstickt.

Trotz ihres haarsträubenden Flüchtigkeitsfehlers muss die 26 Jahre alte Keeperin vom Meister VfL Wolfsburg bei der Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden vom 16. Juli bis 6. August nicht um ihren Status fürchten. «Die Nummer eins von Almuth wackelt nicht», stellte die Bundestrainerin nach dem insgesamt überzeugenden 3:1 (1:0) gegen die brasilianische Auswahl am Dienstag in Sandhausen rasch klar. «Sie weiß am besten, dass sie einen Fehler gemacht hat. So etwas wird Almuth bei der EM nicht passieren», ergänzte die 44-jährige Jones.

Eine öffentliche Debatte um ihre Nummer eins, 13 Tage vor dem kniffligen EM-Auftakt am 17 Juli (20.45 Uhr) in Breda gegen Schweden, könnte Jones wirklich nicht gebrauchen. So war das Thema mit dem demonstrativen Vertrauensbeweis für Schult schnell vom Tisch. «Aus Fehlern lernt man, Almuth wird daran wachsen. Sie hat weiterhin unser Vertrauen.»

Beim Stand von 1:0 zögerte die 1,80 Meter große Torhüterin nach einem Rückpass zu lange und ließ sich den Ball von der heranstürmenden Ludmila im Fünf-Meter-Raum stibitzen. Schult gestand ihre «Dummheit», mit der sie das 1:1 (49.) verschuldete, freimütig ein: «Es muss mir klar sein, dass die Brasilianerin so schnell ist. Einfach früher wegschlagen, dann ist das Ding gegessen. Ich hab es unterschätzt.»

Jones mochte den nach Spielende viel diskutierten Fauxpas nicht überbewerten, um «keine Ängste» bei Schult zu schüren: «Wenn ich es zu groß mache, nimmt sie es vielleicht zu tragisch. Und das war es nicht.» Doch Schult ist bei aller Selbstkritik keine Spielerin, die sich unnötig lange mit solchen Patzern beschäftigt. Sie hakt sie ab, schaut positiv nach vorn. «Ich bin mit mir im Reinen. So lange die Mannschaft hinter mir steht, ist alles völlig in Ordnung.»

Von den Mitspielerinnen kam keinerlei Vorwurf an die Keeperin, die in ihrem 42. Länderspiel allerdings nicht zum ersten Mal eine kritische Situation heraufbeschwor und die Klasse ihrer Vorgängerinnen Nadine Angerer und Silke Rottenberg bisher noch nicht erreichte. «Ich mache hunderte Fehler im Spiel, Almuth nur einen. Sie hat uns schon oft genug den Arsch gerettet», wiegelte Hasret Kayikci ab.

Die quirlige Angreiferin vom SC Freiburg, die zuvor Riesenpech bei einem Billardschuss an beide Innenpfosten hatte, überzeugte nicht nur wegen ihres Tores zum 2:1 (65.). Die in Heidelberg-Rohrbach aufgewachsene Kayikci hatte im BWT-Stadion am Hardtwald praktisch ein Heimspiel mit eigenem Fanclub. Familie und Freunde waren zahlreich unter den 5469 Zuschauern und freuten sich mit ihr. «Es ist wie ein Traum, dass ich bei der Euro dabei bin und hier mein erstes Länderspieltor machen konnte», schwärmte die 25-Jährige.

Zudem dürfte ihr das Sonderlob der Cheftrainerin weiteren Auftrieb für das EM-Turnier geben. «Sie hat eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Sie ist eine richtige Straßenfußballerin in bestem Sinn, kombinationssicher und spielstark. So kann es für sie weitergehen.»

Jones haderte wie Spielführerin Dzsenifer Marozsan nur mit der Torausbeute, die trotz der übrigen Treffer von Linda Dallmann (30.) und Leonie Maier (78.) stark ausbaufähig ist. «Wir müssen an der Chancenverwertung arbeiten. Im Turnier hat man nicht so viele Chancen, da muss man eiskalt vor dem Tor sein», befand Marozsan. Am Favoritenstatus des Olympiasiegers ändert dies aber nichts. Angesichts der hohen Qualität im Kader kann sich Deutschland bei der Jagd nach dem neunten EM-Titel eigentlich nur selbst schlagen.