Devisenspekulationen bleiben eine gefährliche Währungswette


Sie tauchen in keiner Statistik auf, müssen weder gemeldet werden, noch unterliegen sie irgendwelchen Regeln. Und doch verschieben Investoren mit sogenannten Currency Carry Trades dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge mitunter Billionen von US-Dollar.

Diese Schattenwetten auf Wechselkurse werden immer dann attraktiv, wenn sich die Zinsniveaus zweier Währungsräume auseinanderentwickelt haben. Bei Carry Trades nehmen große Anleger wie Hedgefonds Kredite in einer Niedrigzinswährung auf und kaufen davon Wertpapiere, beispielsweise Staatsanleihen, in einer Hochzinswährung.

Auch wenn es keine offizielle Statistik gibt, die das belegen könnte: Experten halten es für ausgemacht, dass spekulative Investoren den Euro-Dollar-Wechselkurs für diese Wetten in den Blick genommen haben. Denn die Zinsdifferenz zwischen Bundesanleihen und den als ebenso risikolos geltenden US-Staatsanleihen ist so hoch wie seit den 90er-Jahren nicht.

Auf längere Sicht biete der historisch große Renditeabstand ein beträchtliches Polster für ungesicherte Investments in langlaufende US-Staatsanleihen, meint Christoph Rieger, Head of Rates & Credit Research bei der Commerzbank „Wenn ich jetzt als Investor 30-jährige US-Staatsanleihen kaufe, kann ich über die gesamte Laufzeit einen Anstieg des Euros auf zwei Dollar verkraften, bevor der Anstieg des Wechselkurses die Zinserträge zunichtemacht“, rechnet er vor. Zwar könne über einen so langen Anlagehorizont viel passieren. „Aber die EZB würde eine derart starke reale Aufwertung des Euros zum Dollar nicht tolerieren“, ist Rieger überzeugt.


Hochspekulativ werden Carry Trades besonders durch die Kreditaufnahme in der Niedrigzinswährung. Investoren können durch die erzielte Hebelwirkung ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals als Gewinn erzielen.

Wie einträglich solche Carry Trades sein können, zeigt eine Bundesbank-Studie für die Zeit von der Euro-Einführung bis zum Jahr 2005: „Die Carry-Trade-Strategie zwischen dem Euro-Raum und den USA hätte seit Beginn der Währungsunion eine durchschnittliche annualisierte Rendite von 15 Prozent erzielt“, so das Fazit der Autoren. Neuere Zahlen gibt es nicht. Doch die Zinsunterschiede zwischen den USA und Deutschland waren damals teils ähnlich hoch wie heute.

Die Carry Trades könnten zumindest teilweise für den zuletzt starken Dollar verantwortlich sein. Denn die Bundesbank-Studie liefert Hinweise dafür, dass solche Wetten in der Vergangenheit die Hochzinswährung, in diesem Fall den Dollar, zumindest kurzfristig verteuert haben könnten. Carry Trades werden dadurch noch profitabler und ziehen theoretisch weitere Spekulanten an – so lange, bis das Pendel in die Gegenrichtung schwingt.

Ändert sich die Markterwartung, etwa weil ein falsches Wort des EZB-Chefs den Euro stark aufwerten lässt, müssen einzelne Carry Trader ihre Positionen plötzlich schließen. Die Flucht zurück in Euro-Papiere zwingt weitere Spekulanten zu Notverkäufen. Die billionenschweren Schattenwetten nähren damit Währungsausschläge in beide Richtungen.