Devisen: Türkische Lira fällt auf Rekordtief

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs der türkischen Lira hat am Mittwoch die jüngste Talfahrt beschleunigt und im Handel mit dem Euro ein Rekordtief erreicht. Am frühen Morgen mussten für einen Euro zeitweise 4,1887 Lira gezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Seit Mitte Juli hat die Lira ihre Talfahrt der vergangenen Jahre beschleunigt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte eine Neuausrichtung der Türkei-Politik durch die Bundesregierung.

Nach dem Rekordtief erholte sich die Lira im weiteren Handelsverlauf wieder etwas. Zuletzt lag der Kurs für einen Euro am Mittwochvormittag bei 4,1840 Lira. Im Gegenzug musste für eine Lira knapp 24 Eurocent gezahlt werden.

Am 20. Juli hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigt, Wirtschaftshilfen und die Absicherung deutscher Exportgeschäfte in die Türkei durch Hermes-Bürgschaften auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem hatte das Auswärtige Amt die Reisehinweise verschärft und Türkei-Reisenden offiziell zu "erhöhter Vorsicht" aufgerufen. Seitdem hat die Lira im Handel mit dem Euro etwa dreieinhalb Prozent an Wert verloren.

Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank erklärte die schwache Lira aber auch mit Rückgängen bei dem für die Türkei wichtigen Tourismusgeschäft. Außerdem verwies Karpowitz auf die vergleichsweise hohe Inflation in der Türkei. Laut jüngsten Daten lag die Teuerung im Juni bei knapp elf Prozent.

Zudem erklärte der Commerzbank-Experte die Talfahrt der Lira mit einem hohen Defizit der Türkei in der Leistungsbilanz. Seiner Einschätzung nach wird die Finanzierung des hohen Leistungsbilanzdefizits zunehmend schwierig.