Devisen: Eurokurs nach Urteil von Bundesverfassungsgericht unter Druck

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs des Euro <EU0009652759> ist am Dienstag nach einem Urteil des Bundesverfassungesgerichts unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis zum Mittag auf 1,0845 US-Dollar zurück. Am Morgen hatte er noch über 1,09 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag noch auf 1,0942 Dollar festgesetzt.

Das Bundesverfassungsgericht hat mehreren Klagen gegen die milliardenschweren Staatsanleihenkäufe der EZB überwiegend stattgegeben. Die Beschlüsse der Notenbank seien kompetenzwidrig ergangen. Das Gericht widersprach damit einer vorherigen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Das Urteil bezieht sich auf das Programm PSPP, das im Jahr 2015 aufgelegt wurde. Das in der Corona-Krise neu aufgelegte Programm PEPP ist von dem Urteil nicht direkt betroffen.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer deutete die Entscheidung weniger als Gefahr für das ältere Kaufprogramm PSPP. Die EZB könne die Begründung für die Käufe recht einfach nachholen, erklärte Krämer. Allerdings könnten sich Probleme für das Corona-Notprogramm PEPP ergeben, das derzeit ein Volumen von 750 Milliarden Euro aufweist. Der Grund: Einige Auflagen der Verfassungsrichter wie die konkrete Aufteilung der Käufe auf die einzelnen Euroländer werden im PEPP ausgesetzt.

Das Urteil könnte den Zusammenhalt der Eurozone gefährden. So legten an den Anleihemärkten die Renditen von italienischen Papieren besonders deutlich zu. Das Land wurde durch die Corona-Krise besonders hart getroffen und hatte schon zuvor eine hohe Verschuldung aufgewiesen.

Im weiteren Handelsverlauf könnten Wirtschaftsdaten aus den USA den Markt bewegen. So steht am Nachmittag mit dem Einkaufsmanagerindex ISM für den Dienstleistungssektor im April ein wichtiger Konjunkturindikator auf dem Kalender. Der Dienstleistungssektor wurde durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens besonders stark belastet.