Devisen: Eurokurs gerät erneut unter Druck

FRANKFURT (dpa-AFX) -Der Kurs des Euro EU0009652759 ist am Freitag gefallen und hat damit an die Verluste vom Vortag angeknüpft. Am Mittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 0,9946 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte der Euro noch in der Nähe zur Parität zum US-Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,0037 Dollar festgesetzt.

Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone stützten den Euro nicht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent. Ökonomen hatten hingegen angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges im Schnitt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet. Auch die Wirtschaft Frankreichs ist in den Sommermonaten trotz der Energiekrise weiter gewachsen.

Ökonomen gehen aber davon aus, dass der deutschen Wirtschaft ein harter Winter bevorsteht. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer dürfte es sich bei dem unerwartet guten Quartalsergebnis nur "um die Ruhe vor dem Sturm handeln". Die hohe Inflation lasse die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen. "Alles spricht für ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr."

In der Eurozone trüben sich unterdessen die Aussichten für die weitere konjunkturelle Entwicklung ein. Daten zur Wirtschaftsstimmung in der Eurozone bestärkten das Bild einer wirtschaftlichen Abschwächung. Der von der Europäischen Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) sank im Oktober auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren.

Mit Spannung erwartet werden die Verbraucherpreisdaten aus Deutschland für Oktober. Im September stieg die Jahresteuerungsrate auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren. Erste Daten aus den Bundesländern deuten für Oktober erneut auf eine Rate im zweistelligen Bereich hin.

Bereits am Donnerstag war der Kurs des Euro nach geldpolitischen Beschlüssen der EZB und Aussagen der Notenbankpräsidentin Christine Lagarde im Anschluss an die Zinsentscheidung gefallen und mehr als einen Cent abgerutscht. Die EZB hatte zwar den Leitzins wie erwartet deutlich um 0,75 Prozentpunkte im Kampf gegen die hohe Inflation angehoben. Die Aussagen von Lagarde wurden am Markt allerdings als Hinweis gedeutet, dass künftige Leitzinserhöhungen niedriger ausfallen dürften.