Deutz: Raphael Sbrzesny präsentiert im Kunstwerk eine eindrucksvolle Ausstellung

In der Ausstellung im Projektraum des Kunstwerkes geraten die Gedanken in Bewegung.

In der Ausstellung von Raphael Sbrzesny im Projektraum des Kunstwerkes geraten die Gefühle und Gedanken ordentlich in Bewegung. Denn gleich mit dem Betreten der ehemaligen Industriehalle beginnt eine visuell-akustische Belagerung, in der schnell nichts mehr so ist, wie noch Sekunden zuvor. Da verwickelt die lebensgroße Gipsskulptur eines Mannes in Mädchenkleidung in das Mysterium sexueller Rollenspiele und Identitätsfragen. Gleich daneben führen eine Kopfcollage mit Vaginalbezug und die Fotografie einer Haarentfernung dieses Fantasie- und Gedankenfeld fort. Nur ein paar Schritte weiter lässt das Video keinen Zweifel, dass alles, was an diesem Ort zu erleben ist, um die Erfahrung von Identität und Gesellschaft kreist.

In einer Art filmischem Essay zeigt das Video Szenen von Fußballspielen, Ausschnitten aus Auftritten des Künstlers, seltsame Skulpturen und allerhand Begriffe wie „Eintauchen“, „Verschwinden“, „Feiern“, „Töten“ und „Bewohnen“. Kultur und Selbstentfaltung, Mensch und Maschine, der Zusammenhang von körperlich-organischer und technischer Wirklichkeit sind das Spannungsfeld, in dem Sbrzesnys Kunst angesiedelt ist. Seine seltsamen Skulpturen erinnern gleichermaßen an medizinische Apparaturen und Folterinstrumente, sadomasochistische Lustgeräte wie unheimliche Angstmacher.

Schlagzeugtöne im Hintergrund

Als mögliche Fesselungs-Instrumente, Körper-Prothesen und futuristische Maschinen zur Steigerung der Leib-Fähigkeiten lassen die Skulpturen die gleichzeitige Dramatik und Rätselhaftigkeit eines Lebens erahnen, das vom körperlichen Begehren ebenso bestimmt ist wie von seiner Kanalisierung. Strenge, Härte und Anonymität herrschen vor in diesem Szenario des Schreckens.

Die Verunsicherung in dieser Ausstellung ist größer als das Gefühl von Vertrautheit. Das wird verstärkt durch eine pausenlose Klangkulisse von Schlagzeuggeräuschen, die hinter einem undurchdringlichen schwarzen Vorhang ertönen. Abwechselnd still und aufregend wie die unberechenbare Zirkulation des Begehrens. In einer Kultur der allgegenwärtigen Regulierung und Kontrolliertheit der Körper, soll seine Kunst Lücken aufreißen und die Kraft eines körperlichen Ausdrucksverlangens zeigen, das quer zu den kulturellen Zwängen steht. Die Frage lautet: Worin besteht die grundlegende, unzerstörbare Differenz zwischen dem menschlichen Leib und der von Technik und Konsumökomomie vorangetriebenen Optimierung des menschlichen Körpers?

So viel es in der Ausstellung zu erleben gibt, so viel gibt es nachzudenken. Sie ist sinnlich und geheimnisvoll, verführerisch und herausfordernd, belebend und belehrend.

Kunstwerk, Deutz-Mülheimer-Straße 127, geöffnet Do 16-20 Uhr, Sa 16-19 Uhr, bis 23. September....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta