Deutz fährt bald auch elektrisch

Deutz kauft den E-Spezialisten Torqeedo und will rund 100 Millionen Euro in alternative Antriebe investieren. Die Kölner wollen so ihre Ziele beim Elektromotor deutlich schneller erreichen.


Der Kölner Motorenhersteller Deutz kann auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken – 1864 gegründet ist es die älteste Motorenfabrik der Welt. Hier wurde der Ottomotor erfunden und damit der Weg für die Motorisierung der Welt bereitet. Doch die vergangenen Jahre waren nicht immer leicht für die Traditionsfirma. Großvolumige Antriebe für Lastwagen oder Bau- und Landmaschinen waren zuletzt weniger gefragt, der Vorstand reagierte mit einem strikten Sparprogramm und baute zehn Prozent der Stellen ab. Hinzu kam die aus Sicht des Herstellers leidige Diskussion um den Dieselantrieb. Doch nun schwenkt der Pionier von  Verbrennungsmotoren um – zumindest teilweise. Die Kölner haben am Donnerstag den Münchener Elektroantriebsspezialisten Torqeedo gekauft und wenden sich damit verstärkt der E-Mobilität zu.

Zur beschleunigten Umsetzung dieser Strategie wolle Deutz zunächst rund 100 Millionen Euro einschließlich des Kaufpreises für Torqeedo investieren, erklärte Deutz-Chef Frank Hiller. „Mit der Übernahme sind wir in der Lage, E-Kompetenz viel schneller zu generieren und unsere Produktpalette dort zu elektrifizieren, wo es technisch und ökonomisch sinnvoll ist“, sagte Hiller dem Handelsblatt. Schon in zwei Jahren sollen die ersten E-Aggregate auf den Markt kommen – und damit deutlich früher als unter der Eigenregie von Deutz. Die im Raum München ansässige Torqeedo hat sich einen Namen als Systemlösungsanbieter für integrierte elektrische sowie hybride Bootsantriebe gemacht und ist in den zwölf Jahren seit Gründung stets zweistellig gewachsen.


Schon in fünf Jahren will Deutz mit voll- oder teilelektrischen Antrieben zwischen fünf und zehn Prozent seines Umsatzes von zuletzt 1,26 Milliarden Euro erzielen. „Wir sehen einen neuen Markt, wir sehen aber noch viel mehr““, sagte Hiller. Deutz habe schon immer in seiner Geschichte neue Technologien hervorgebracht, „wir wollen auch diesen Markt nach vorne puschen.“ Der wachsende politische und gesellschaftliche Widerstand gegen den Diesel habe diese Entscheidung beschleunigt, räumt Hiller ein. „Das hat unsere ursprünglichen Gedanken noch einmal bestätigt: Es gibt den Trend zur Elektrifizierung.“

Einen radikalen Schwenk wird es allerdings nicht geben: „Der Dieselantrieb wird auch in der Zukunft noch einen Großteil unseres Geschäfts ausmachen“, sagt Hiller. Der Maschinenbauingenieur war Anfang des Jahres vom Autozulieferer Leoni zu Deutz gewechselt. Allerdings geht Hiller davon aus, das Elektromotoren immer größere Teile eines Antriebs in Baufahrzeugen oder in Traktoren übernehmen werden. „Der Schwerpunkt wird bei der Hybridlösung liegen“, sagt er. Solche E-Motoren würden sich zuschalten, wenn beispielsweise Spitzenleistung gefragt sei. Dieselmotoren könnten somit kleiner ausfallen. Das würde nicht nur die Kraftstoff- und damit die Betriebskosten senken, auch weniger Abgase und Lärm seien die Folge – ein Vorteil wenn beispielsweise Baumaschinen in den feinstaubgeplagten Innenstädten oder Gabelstapler in geschlossenen Räumen eingesetzt werden.


Deutz habe zwar in den vergangenen Jahren immer wieder an solchen Hybridprojekten gearbeitet, erzählt Hiller. Jetzt sei aber die Zeit reif dafür. „Bei der Speichertechnik gibt es einen Durchbruch, da profitieren wir von der Autoindustrie“, sagt Hiller. So geht er davon aus, dass die Batteriekosten in nächster Zukunft deutlich sinken werden.

Die Technologie der Neuerwerbung Torqeedo soll zum Kern der neuen E-Strategie von Deutz werden. Dabei geht es insbesondere um die Kompetenz bei Komponenten, Steuerungssoftware und Systemintegration. „Das muss man als ganz eigenes Feld betrachten“, sagte Gründer und CEO Christoph Ballin selbstbewusst. Er wird nach den Plänen sein stark wachsendes Geschäft unter der etablierten Marke Deutz.