Deutschstunde: Die Tücken der Grammatik beim Schuhkauf

… hätte Cäsar fast das Fragezeichen erfunden, wenn er nicht vorher hinterrücks ermordet worden wäre.

Ich weiß nicht, ob Kinderkleidung heutzutage überhaupt noch geändert oder gleich neu gekauft wird, sobald der Nachwuchs nach wenigen Monaten schon wieder aus Hose oder Jacke herausgewachsen ist. Das war nach dem Krieg in den Zeiten des Mangels und der Bezugsscheine notgedrungen anders. Meine Mutter trennte die Naht meines Mantels auf, ließ zwei Zentimeter vom Saum heraus, nähte die Naht wieder zu und bügelte sie unter einem feuchten Leinentuch und großer Dampfentwicklung glatt. Das ging bei Textilien bis zu einer gewissen Grenze, aber nicht bei Schuhen, wenn die Kinder mit eingeklemmten Zehen und Blasen an den Fersen herumhumpelten.

"Der Junge braucht ein Paar neue Schuhe", sagte meine Mutter zu meinem Vater. Der überlegte, was er dem Schuhmachermeister als Gegenleistung anbieten könnte (die Reichsmark besaß keinerlei Wert mehr) und flüchtete sich vorerst in grammatische Spitzfindigkeiten. "So, so, der Junge braucht also ein neues Paar Schuhe", sagte er mit einer deutlichen Betonung auf der Umformulierung. Als noch nicht schulpflichtiger Zeuge dieser Haarspalterei war ich an etwas anderem interessiert als an diesen sprachlichen Finessen, aber im Hinblick auf die Zielrichtung dieser Kolumne wollen wir nun doch die Frage stellen: Heißt es ein Paar neue Schuhe oder ein neues Paar Schuhe?

Beide Formen sind korrekt. Wenn Paar mit dem nachfolgenden Substantiv eine begriffliche Einheit bildet, kann das Adjektiv (neu), das eigentlich zum Substantiv gehört, auch vor der Einheit stehen, ...

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