Deutschstunde: Wie ein Buchstabe das Sommerloch füllen soll

Es geht um ein Kirchenamt, das gutes Einkommen verspricht, das aber seine Tücken bei der Mehrzahlbildung hat.

Es gibt Angebote, auf die man getrost verzichten kann, die aber von ihren Anhängern umso heftiger verteidigt werden. Dazu gehören Placebos, Globuli, das große Eszett und der Zauberspruch der Kräuterhexe vom Krähenwald. Wenn der Nagelpilz im großen Zeh nach der Besprechung nicht verschwindet, könnte man sagen, dass die Alte ihre Beschwörung zur Tagundnachtgleiche um Mitternacht bei Vollmond hätte vornehmen müssen, wenn aber ein bisher im deutschen Alphabet nicht als Großbuchstabe existierendes Eszett im Nachrichtenangebot auftaucht, wussten wir bisher, dass die Saure-Gurken-Zeit begonnen hatte.

Dieses Sommerloch wurde in den Zeitungen bis vor wenigen Jahren stets mit dem Ungeheuer von Loch Ness überbrückt, das angeblich wieder einmal gesichtet worden war. Seit 2008 hat das große Eszett das schottische Fabeltier abgelöst. Auch in diesem Jahr tauchte dieser fiktive Buchstabe pünktlich zur letzten Bundestagssitzung vor der Sommerpause zwar nicht aus dem Loch Ness, aber aus dem Unicode auf.

Das deutsche Alphabet besteht amtlich aus 26 Buchstaben in festgelegter Reihenfolge sowie aus den Umlauten und dem Eszett (ß). Alle Buchstaben existieren als Großbuchstabe und als Kleinbuchstabe, lediglich das Eszett gibt es nur klein. Benötigen wir überhaupt ein großes Eszett? Das ist, vielleicht abgesehen von der Schreibung von Eigennamen, nicht der Fall. Es gibt kein Wort und kein Satz im Deutschen, der mit einem Eszett beginnt. Also brauchen die Regeln der Groß- oder Kleinschreibung nicht ang...

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