Der neue Abwehrboss zaubert in seinem Wohnzimmer

Sportinformationsdienst

Das hatte etwas Magisches!

Matthias Ginter traf im vorletzten EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland auf Vorarbeit von Serge Gnabry zur 1:0-Führung. Aber nicht irgendwie. Mit der Hacke verwertete er Gnabrys Flanke kurz vor der Pause artistisch - und das als Abwehrspieler.

Für Ginter war es das erste Tor im Trikot des DFB-Teams. Ausgerechnet in seinem Gladbacher Wohnzimmer. Ein perfekter Abend. Zumal er nach der Pause auch an den Toren Nummer zwei und drei durch Leon Goretzka und Toni Kroos beteiligt war.

Unterschätzter Abwehrboss

Schon vor dem Spiel hatte ihm Bundestrainer Joachim Löw das Vertrauen ausgesprochen. Mit der Beförderung zum neuen Abwehrchef nach dem Ausfall von Niklas Süle.


"Matze wird manchmal ein bisschen unterschätzt. Ich aber weiß, wie zuverlässig er ist und was er leisten kann", sagte Löw über den 25-Jährigen. (SERVICE: Spielplan der EM-Quali)

Trotz seines noch recht jungen Alters hat der Innenverteidiger des Bundesliga-Spitzenreiters Borussia Mönchengladbach schon viel erlebt. Weltmeister 2014, Olympia-Silber 2016, Confed-Cup-Sieger 2017 - Ginter verfügt über reichlich internationale Erfahrung. Dabei habe man ihm anfangs in Freiburg "überhaupt nicht zugetraut, Bundesligaspieler zu werden."

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Ginter: Nichts geschenkt bekommen

Inzwischen hat Ginter 207 Spiele in Deutschlands höchster Klasse absolviert und dabei meist umsichtig agiert. Vom Platz geflogen ist er noch nie. "Ich habe nichts geschenkt bekommen, musste mir alles sehr hart erarbeiten", sagte Ginter, der sich selber als "sehr ehrgeizigen Spieler" bezeichnet: "Ich versuche jeden Tag, voranzukommen und mich als Persönlichkeit zu entwickeln."


Das gelingt ihm im Verein glänzend, nun muss er auch im DFB-Team auf dem Platz und in der Kabine mehr aus sich herausgehen. Durch seine guten Leistungen hat er sich schon mal mehr Respekt verschafft. "Ich weiß, wie man mich intern sieht. Das ist für mich wichtig", sagte Ginter.

Der Höhenflug mit Gladbach hat sein Selbstvertrauen gesteigert, Ginter genießt teamintern ein höheres Standing. "Im Training habe ich eine Situation nicht so schlecht gelöst, da sagte Timo Werner zu mir: 'Man merkt schon, dass du ganz oben stehst'", berichtete Ginter schmunzelnd.


Ginter in seinem Wohnzimmer in Gladbach

Erstmals wird er nun bei einem Länderspiel im Borussia-Park auflaufen - und dann gleich als Chef der Viererkette. Dies sei "ein besonderes Gefühl". Angesichts der personellen Lage wird er sich an die Chefrolle gewöhnen müssen, auch bei der EM 2020 könnte Ginter das Team von hinten heraus führen. Der aussortierte Mats Hummels spielt noch keine Rolle in Löws Gedanken Richtung EURO, ob Süle nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig fit wird, steht in den Sternen.

Löw versicherte, auf Süle "keinen Druck auszuüben". Das Allerwichtigste sei, "dass der Spieler hundertprozentig gesund wird". Da dürfe "nichts zurückbleiben", so Löw.

Daher ist jetzt erst einmal Ginter gefordert. Mit seinem ersten Tor für die Nationalmannschaft hat er das auf spektakuläre Weise schon mal eindrucksvoll praktiziert.