Das ist Deutschlands heißester US-Export

Sven Sartison
In seiner aller ersten Profisaison bei Atlanta United wurde Julian Gressel auf Anhieb Stammspieler

Der Mann ist der erfolgreichste deutsche Torschütze, den die US-amerikanische MLS gesehen hat.

Schon nach seinem ersten Profijahr steht Julian Gressel in diesem All-Time-Ranking an der Spitze. Vor Größen wie Bastian Schweinsteiger oder Torsten Frings. Das hat in Deutschland im Schatten der Auftritte des Weltmeisters von 2014 kaum jemand mitbekommen.

In den USA hat es große Wellen geschlagen. Der Franke wurde zum "Rookie des Jahres" gekürt, als erster Europäer überhaupt. Und in Atlanta, wo sein Team United FC beheimatet ist, ist die "Gresselmania" ausgebrochen. 

Spannender Weg in den Profifußball

"Ich freue mich über diese Auszeichnung, gerade weil sie von den Trainern und Spielern der Liga gewählt wird", sagt Gressel im Gespräch mit SPORT1. "Aber ich weiß auch, dass es erst die erste Saison auf Profiniveau gewesen ist. Die Leistung gilt es nun zu bestätigen."

Er hat nicht den direkten Weg in den Profifußball gewählt - aber dafür einen umso spannenderen.

Angefangen hat alles in der Jugend des mittelfränkischen TSV Neustadt/Aisch. Dort fiel er schon bald den Scouts der SpVgg Greuther Fürth ins Auge. Sieben Jahre verbrachte er im Nachwuchs der Kleeblätter, über Quelle Fürth kehrte er schließlich zum TSV zurück.


Beeindruckende Bilanz im College

Nach einer Saison in der Landesliga wurde Eintracht Bamberg auf den flexiblen Mittelfeldspieler aufmerksam. Ein großer Schritt aus der Landesliga in die Regionalliga Bayern. Gressel wusste zu überzeugen und weckte das Interesse größerer Vereine. Angeblich fühlten einige Drittligisten beim damaligen Abiturienten vor. Doch in seinem Kopf hatte er bereits einen ganz anderen, eigenen Plan geschmiedet.

Um Studium und Fußball verbinden zu können, entschied er sich, ans Providence College in Rhode Island zu gehen. "In Deutschland war der direkte Weg in den Profifußball steinig", erklärt er. "Ich wollte mir die Chance auf einen Profivertrag erhalten, aber auch eine gute Ausbildung am College genießen", erklärt er.

Innerhalb von drei Jahren schloss er dort sein Management-Studium ab und glänzte nebenbei in der College Liga mit 56 Torbeteiligungen in 80 Spielen.

Gressel lebt amerikanischen Traum

Beim MLS-SuperDraft des vergangenen Jahres war er dann die große Überraschung. Der junge Franke wurde von Atlanta United an achter Stelle gepickt und lebt nun den amerikanischen Traum: Vom Tellerwäscher zum Millionär oder in seinem Fall vom Studenten zum MLS-Profi.


In seiner aller ersten Profisaison wurde er auf Anhieb Stammspieler, bestritt 32 der 34 Saisonspiele und produzierte dabei fünf Tore und neun Assists. Kein Deutscher hatte je eine bessere Saisonbilanz.

Auch nicht Schweinsteiger. Das Aufeinandertreffen mit dem langjährigen Münchner bei der Partie gegen Chicago Fire war für Gressel ein zusätzlicher Höhepunkt der Spielzeit. "Er hat mir wertvolle Tipps gegeben und war beziehungsweise ist auch immer noch ein großes Vorbild", schwärmt der Offensivmann. "Vielleicht verfolgt er auch noch in der neuen Saison meinen Weg."

Traum von der Bundesliga

Auch dank Gressel belegte Atlanta am Ende der Spielzeit einen sensationellen vierten Platz, scheiterte jedoch in der ersten Runde der Playoffs. Im Elfmeterschießen versagten auch dem Franken die Nerven. Eine Aktion, die die Gesamtbeurteilung seiner Premierenspielzeit aber nicht schmälerte. 

Denn nach der Saison wählten ihn Trainer, Spieler und US-Sportpresse mit über 50 Prozent der Stimmen zum MLS Rookie of the Year.

Gressels starke Leistungen dürften auch in Europa nicht mehr lange unbemerkt bleiben. "Als Kind hatte ich zwei Träume: Fußballprofi zu werden und in der Bundesliga zu spielen", erklärt Gressel. "Den ersten habe ich mir erfüllt. Vielleicht geht der zweite auch in Erfüllung."