Das sind Deutschlands geheime Weltmarktführer

Nirgends gibt es so viele internationale Spitzenreiter wie in der Bundesrepublik. Doch nicht jeder, der sich Weltmarktführer nennt, ist tatsächlich globale Nummer eins. Wer den Titel verdient, ermittelt dieses Ranking.

Ob Fruchtgummis aus dem Saarland, Strickmaschinen aus Reutlingen oder Kristallgläser aus dem niederbayrischen Zwiesel – all diesen Produkten ist eins gemein: Sie kommen aus der deutschen Provinz und erobern Schritt für Schritt die Weltmärkte. Je nach Erhebung gibt es in der Bundesrepublik zwischen 1500 und 1200 Weltmarktführer.

Doch so erfolgreich der deutsche Mittelstand auch sein mag, nicht jedes Unternehmen trägt diesen Titel zurecht. 

Das hat auch BWL-Professor Christoph Müller von der HBM Unternehmerschule der Universität St. Gallen festgestellt, als er die vermeintlichen Marktführer genauer untersuchte. Wer einen Platz im Weltmarktführerindex der renommierten Hochschule ergattern will, muss strengen Kriterien standhalten:

- Sie müssen in ihrem Segment den höchsten oder zweithöchsten Marktanteil aufweisen.
- Ihr Jahresumsatz muss über 50 Millionen Euro liegen.
- Davon müssen die Unternehmen mindestens die Hälfte im Ausland generieren.
- Außerdem müssen die Weltmarktführer auf mindestens drei Kontinenten aktiv sein.




Jedes Jahr überprüft Müller mit seinem Team, welche selbsternannten Hidden Champions die Kriterien erfüllen, wer im vergangenen Jahr seine Marktführerschaft eingebüßt hat und wer sogar aufgestiegen ist.

Übrig blieben in diesem Jahr 461 deutsche Weltmarktführer. „Das ist immer noch eine beachtliche Zahl“, sagt Studienautor Müller. „Allerdings zeigt es auch, dass die Zahl der mutmaßlichen Weltmarktführer um circa zwei Drittel sinkt, wenn klare und sicherlich strengere Kriterien als bisher angelegt werden.“

Dass die Anzahl dieser internationalen Champions jährlich schwankt, hat mehrere Gründe: Zum einen berücksichtigt Müller nur diejenigen Unternehmen, die aktuelles Datenmaterial veröffentlichen oder ihm zusenden. Zum anderen gibt es ständig Auf- und Absteiger.

Mackevision aus Stuttgart etwa schaffte in diesem Jahr den Sprung an die Weltspitze. Der Spezialist für 3D-Visualisierungen, der unteranderem Effekte für die Erfolgsserie „Game of Thrones“ produziert und gerade von der Beratung Accenture übernommen wurde, hat seine Exportquote auf über 50 Prozent gesteigert und sich damit den Titel verdient.

Auf der anderen Seite gibt es auch Absteiger, wie etwa Masterrind. Beim Unternehmen, das sich mit der künstlichen Besamung von Rindern beschäftigt, brach die Exportquote dramatisch ein. Zum Titel Weltmarktführer reichte es diesmal nicht.

Das sind Deutschlands Weltmarktführer






Die "Future Champions" im Überblick


Und weil sich Forscher wie Müller von der Universität St. Gallen naturgemäß nicht nur für Vergangenheit und Gegenwart interessieren, hat er ebenfalls Unternehmen identifiziert, die in bald die Weltmarktführerschaft erringen könnten. Sie müssen ähnlich strenge Kriterien erfüllen wie die amtierenden Spitzenreiter:

- Sie müssen in ihrem Segment den höchsten oder zweithöchsten Marktanteil aufweisen.
- Ihr Jahresumsatz muss zwischen 5 und 50 Millionen Euro liegen.
- Davon müssen die Unternehmen mindestens 40 Prozent im Ausland generieren.
- Außerdem müssen die sogenannten „Future Champions“ auf mindestens drei Kontinenten aktiv sein.

Diese Kriterien konnten diesmal 54 Unternehmen erfüllen. „Einige dieser Future Champions könnten schon im nächsten Jahr den Sprung an die Weltspitze schaffen“, sagt Müller.

Insgesamt zeigt das Ranking, in welchen Branchen deutsche Unternehmen führend sind und so mag es nicht verwundern, dass die meisten Weltmarktführer im Maschinen- und Anlagenbau tätig sind – der deutschen Ingenieurskunst sei Dank.


Das sind Deutschlands Future Champions