Deutschlands bekanntester Fondsmanager setzt auf Daimler, Berkshire Hathaway und Nestlé

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Bert Flossbach ist einer der bekanntesten Fondsmanager in Deutschland. Und das mit Recht: Sein Fonds, der Flossbach von Storch Multiple Opportunities (WKN:A0M430), legte in den letzten 10 Jahren 151,4 % zu, eine wirklich beeindruckende Performance. Für Anleger könnte ein Blick auf die Top Holdings von Bert Flossbach also durchaus interessant sein (Stand: 29.12.2017).

Insbesondere für Anleger, die eher defensiv agieren. Denn auch der Fonds ging laut Fondsprospekt in der Vergangenheit nur moderate Risiken ein. Im Folgenden möchte ich dir nun die drei Top Holdings vorstellen. Gleichzeitig versuche ich nachzuvollziehen, warum Flossbach von diesen drei Aktien so überzeugt ist.

Top Holding 3: Nestlé (5,07 %)

Mit einem Anteil von 5,07 % am Gesamtfonds belegt Nestlé (WKN:A0Q4DC) Platz 3 unter den größten Aktienpositionen (Stichtag: 30.11.2017) des Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Hier liegen die defensiven Qualitäten auf der Hand: Nestlé verdient sein Geld mit konjunkturunabhängigen Produkten wie Wasser, Kaffee oder Süßigkeiten.

Das macht Umsatz und Gewinn weniger anfällig für Wirtschaftskrisen und sorgt damit für eine stabilere Performance in stürmischen Börsenzeiten. Außerdem erlaubt das Geschäftsmodell von Nestlé stabile Dividendenausschüttungen. In den letzten 21 Jahren mussten die Schweizer ihre Dividende nicht ein einziges Mal kürzen.

In einem Interview (Quelle: Euro am Sonntag) betont Flossbach die defensiven Qualitäten der Nestlé-Aktie noch einmal mit Nachdruck.

Aber das Investment ist bei über drei Prozent bombensicherer Dividendenrendite und einem so stabilen Geschäftsmodell eher wie ein Bond als eine Aktie zu sehen.

Für Anleger, die allzu heftige Kursschwankungen vermeiden wollen und denen eine verlässliche Dividende wichtig ist, könnte sich ein Blick auf die Nestlé-Aktie also lohnen.

Top Holding 2: Berkshire Hathaway (5,19 %)

Die zweitgrößte Position im Portfolio von Flossbach ist Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2). Und um ehrlich zu sein, hat mich das auf den ersten Blick etwas überrascht. Zum einen zahlt Berkshire Hathaway seinen Aktionären keine Dividende und ist damit eine von nur zwei Aktien (die andere ist Alphabet) unter den zehn Top Holdings, die das nicht tut.

Zum anderen scheint Flossbach Warren Buffett und sein Team für bessere Investoren zu halten als sich selbst. Denn ansonsten hätte er die 5,19 % ja selbst auf andere Aktien verteilen können. Ich denke, aus diesen beiden Punkten können Investoren zwei wichtige Dinge lernen.

Erstens sollte man die Dividende nicht überbewerten. Klar ist es toll, wenn jährlich ein ordentliches Sümmchen extra aufs Konto wandert. Entscheidend für ein Investment sollte aber immer die Gesamtrendite sein, also die Summe aus Dividende und Wertzuwachs der Aktie. Und hier kann Buffett und seinem Team kaum jemand das Wasser reichen. So legte die Berkshire-Aktie in den letzten 10 Jahren stolze 148,1 % zu (Stand: 29.12.2017).

Zweitens zeigt Flossbach, dass er sich nicht davor scheut, die Aktie eines anderen Investors zu kaufen. Zumindest dann nicht, wenn er der Meinung ist, dass das Geld seiner Kunden dort besser aufgehoben ist. Für uns normale Anleger könnte das ein Hinweis darauf sein, dass es durchaus Sinn macht, einen Teil seines Vermögens einem Fondsmanager anzuvertrauen. Vorausgesetzt dieser versteht sein Handwerk und rechtfertigt damit die relativ hohen Gebühren.

Für Flossbach dürften auch bei Berkshire Hathaway vor allem die defensiven Stärken ein wichtiger Kaufgrund gewesen sein. Schaut man sich das Chartbild seit 1999 an, fällt beispielsweise die Finanzkrise 2008 kaum auf. Viele Aktien gibt es nicht, die das von sich behaupten können. Letztendlich ist es dann doch weniger überraschend als zu Beginn vermutet, dass Flossbachs zweitgrößte Position Berkshire Hathaway ist.

Top Holding 1: Daimler (5,26 %)

Auch die größte Aktienposition in Flossbachs Fonds, die Daimler (WKN:710000)-Aktie, ist für mich etwas überraschend. Schließlich gilt die zyklische Autoindustrie nicht gerade als besonders defensive Anlageklasse. Doch auch hier liefert uns das Interview in der Euro am Sonntag interessante Informationen über seine Beweggründe.

Die Bewertung ist hier ausschlaggebend. Der gesamte Börsenwert ist momentan durch die Mercedes-Sparte und die Lieferwagen abgedeckt. Als Aktionär bekommt man also die gesamte Lkw-Sparte umsonst.

Weiter gibt er an, dass er und sein Team bei der Daimler-Aktie deshalb eine Unterbewertung von 30 – 40 % sehen. In Kombination mit der bekannten Marke, der starken Stellung im Lkw-Geschäft und der eben erwähnten Unterbewertung scheint Daimler dann doch ziemlich gut ins defensive Portfolio von Flossbach zu passen.

Im Übrigen bietet die Daimler-Aktie ihren Anlegern derzeit eine attraktive Dividendenrendite von 4,6 %, wohlgemerkt berechnet mit der Dividende aus dem Geschäftsjahr 2016 (Stand: 30.12.2017). Erhöhung in 2017: Nicht ausgeschlossen!

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Thomas Brantl besitzt Aktien von Nestlé. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Nestlé. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

Motley Fool Deutschland 2018