Deutschland stockt bei UN-Konferenz Hilfen für Pakistan wegen Hochwassers auf

Anlässlich der in Genf stattfindenden UN-Geberkonferenz für Pakistan haben mehrere Länder eine Aufstockung ihrer Hilfen für das besonders vom Klimawandel betroffene Land angekündigt. Deutschland werde seine Unterstützung bei der Bewältigung der Hochwasserschäden des vergangenen Jahres sowie bei der Anpassung an Klimaveränderungen um 84 Millionen Euro erhöhen, erklärte das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) am Montag. Frankreich und die Europäische Union kündigten dreistellige Millionenzahlungen an.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte zu Beginn der Konferenz "massive Investitionen", um Pakistan zu helfen. "Kein Land verdient es, zu ertragen, was Pakistan passiert ist", sagte Guterres.

Nach besonders heftigen Monsun-Regen war in Pakistan im vergangenen Sommer etwa ein Drittel des Landes überschwemmt worden. Bei der Hochwasserkatastrophe starben mehr als 1700 Menschen. Ein Großteil der Ernten wurde zerstört. Durch die Überschwemmungen fielen in Pakistan nach UN-Angaben acht bis neun Millionen Menschen unter die Armutsgrenze. Experten sehen in dem Ausmaß der Überschwemmungen eine Folge des Klimawandels.

Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif sagte, seinem Land laufe die Zeit davon. Die Regierung geht davon aus, dass Pakistan in den kommenden drei Jahren 16,3 Milliarden Dollar (15,3 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau und Maßnahmen für die Anpassung an den Klimawandel benötigt. Die Hälfte des Geldes kann Pakistan nach eigenen Angaben selber aufbringen, für den Rest soll die internationale Gemeinschaft einspringen. "Ich bitte um einen nachhaltigen internationalen Unterstützungsplan", sagte Sharif. "Ich bitte um eine neue Lebensader."

BMZ-Staatssekretär Jochen Flasbarth sprach von einer Krise, "die Pakistan nicht alleine bewältigen kann". Entscheidend sei, das Land "nicht nur beim unmittelbaren Wiederaufbau" zu unterstützen, "sondern auch dabei, sich besser und nachhaltig an den Klimawandel anzupassen".

Das BMZ hatte Pakistan nach eigenen Angaben bereits Hilfen in Höhe von rund 67 Millionen Euro für den Wiederaufbau zentraler Infrastruktur und die Bewältigung der sozialen Folgen der Hochwasser-Katastrophe zugesichert. Das nun zugesagte zusätzliche Geld soll beispielsweise für den Bau von Regenrückhaltebecken und von Entwässerungssystemen eingesetzt werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der der Konferenz in Genf per Video zugeschaltet war, kündigte einen Beitrag von 360 Millionen Euro für Pakistan an. Zusätzlich werde Frankreich zehn Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung stellen. Sein Land sei zudem dazu bereit, einer internationalen Unterstützergruppe beizutreten, die Pakistan bei der Umsetzung seines Wiederaufbauplans helfen soll, sagte Macron.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die Europäische Union werde 500 Millionen Euro zum Wiederaufbaupaket beitragen. Auch die EU werde zusätzlich zehn Millionen Euro an humanitärer Hilfe bereitstellen.

UN-Chef Guterres lobte die "heldenhafte Menschlichkeit", mit der das pakistanische Volk auf die Katastrophe reagiert habe. Er mahnte, die internationale Gemeinschaft trage besondere Verantwortung für Pakistan, das "durch Klimachaos und ein moralisch bankrottes globales Finanzsystem doppelt bestraft" worden sei. Dieses System "verweigert Ländern mit mittleren Einkommen regelmäßig Schuldenschnitte" sowie einfache Finanzierungsmöglichkeiten, "um in die Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen zu investieren", sagte Guterres.

Pakistan trägt weniger als ein Prozent zum weltweiten Treibhausgasausstoß bei, ist aber gleichzeitig eines der Länder, das am meisten unter Extremwetterereignissen infolge der Klimaerwärmung leidet.

"Sollte es irgendeinen Zweifel an Loss und Damage geben, gehen Sie nach Pakistan", sagte Guterres mit Verweis auf die Diskussion um den Ausgleich für klimabedingte Schäden für Entwicklungsländer und kleine Inselstaaten.

ma/ck