Deutschland stößt an seine Grenzen

Die deutsche Wirtschaft wird nach Aussage der Bundesbank auf Dauer nicht schneller wachsen können als die Produktionskapazität der Unternehmen. Die Experten gehen daher für die Zukunft von einem langsameren Tempo aus.


Das sind starke Werte für deutsche Verhältnisse: Die Wirtschaft wuchs im laufenden Jahr um 2,6 Prozent und wird 2018 um weitere 2,5 Prozent zulegen. In den beiden Folgejahren sind es aber voraussichtlich nur noch 1,7 Prozent und dann 1,5 Prozent. Das haben die Experten der Bundesbank errechnet.

Dabei meinen sie die reale Zunahme des Bruttoinlandprodukts, die um Kalender-Effekte, also unterschiedliche Mengen an Arbeitstagen, bereinigt ist. Im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank heißt es daher: „Damit ergibt sich das Bild eines starken und zunehmend reifen Aufschwungs, dessen Wachstumstempo im Zeitablauf wegen nachlassender Nachfragezuwächse und vor allem aufgrund allmählich bindender angebotsseitiger Beschränkungen nachgibt.“

Mit den „angebotsseitigen Beschränkungen“ ist gemeint, dass die Wirtschaft auf Dauer nicht schneller wachsen kann als die Produktionskapazität der Unternehmen. Allerdings glauben die Bundesbanker, dass die „lebhafte Nachfrage“ die Unternehmen zu Investitionen ermuntert.


Aber wer produzieren will, braucht dazu neben Maschinen auch Leute. Und hieraus ergeben sich weitere Einschränkungen. Im Ökonomen-Deutsch heißt das: „Während angesichts der starken Konjunktur die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter deutlich zunehmen dürfte, wird die Zahl der potenziell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte zukünftig ganz erheblich langsamer wachsen.“

Der Arbeitsmarkt hängt sehr eng mit dem Kerngeschäft aller Notenbanken zusammen: den Anstieg der Preise zu kontrollieren. In dem Punkt gibt es zunächst einmal Entwarnung: „Gemessen an der hohen Anspannung am Arbeitsmarkt steigen die Tarifverdienste auch im Jahr 2017 lediglich verhalten“, heißt es.

Ein Grund dafür war offenbar die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern. Für 2018 erwartet die Bundesbank aber „spürbar höhere Abschlusssätze“ bei den Tarifrunden zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Doch ihre Prognosen für den Preisanstieg liegen für 2017 und die beiden folgenden Jahre bei 1,6 bis 1,7 Prozent, also noch unter dem offiziellen Ziel der Geldpolitik von knapp zwei Prozent.


Indirekt setzt sich die Notenbank auch mit der Kritik aus dem Ausland an den hohen deutschen Exportüberschüssen auseinander, die vor allem innerhalb des Euro-Raums zu Spannungen beiträgt. Daher heißt es: „Von der hohen Nachfrage Deutschlands nach ausländischen Produkten sollten andere Euro-Mitgliedsländer wegen ihrer steigenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit besonders profitieren.“ Allerdings wird sich der Überschuss der Leistungsbilanz, die außer dem Außenhandel noch weitere Komponenten enthält, nach der Bundesbankprognose in den kommenden Jahren „nur wenig verringern“.

Nur am Rande streift der Monatsbericht ein anderes, noch heißeres politisches Thema. Zu Staatsausgaben für Flüchtlinge heißt es: „Die diesbezüglichen Mittel dürften nunmehr spürbar zurückgehen.“ Eine vorsichtige Entwarnung gibt es auch beim Thema der Wohnimmobilien. Die Experten sprechen zwar von „nach wie vor hohen Preiszuwächsen“, sehen aber schon im laufenden Jahren und auch danach einen abnehmenden Druck ¬ auch deswegen, weil wieder mehr gebaut wird.

Insgesamt ist der Bericht bei aller Nüchternheit doch ein Ausdruck von großem Optimismus: Es geht aufwärts, aber es droht auch keine Überhitzung.