WM-Generalprobe: Deutschland schrammt an Blamage vorbei

Mats Hummels und das DFB-Team mühen sich gegen Saudi-Arabien

Generalprobe mit Misstönen: Die Top-Elf des Weltmeisters Deutschland präsentiert sich gut eine Woche vor ihrem WM-Auftakt noch längst nicht titelreif.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit sieben Rio-Helden um Rückkehrer Jerome Boateng kam bei ihrer Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien trotz guter Ansätze nur zu einem 2:1 (2:0).

Zudem sorgte die "Erdogan-Affäre" um Ilkay Gündogan und Mesut Özil erneut für Unmut. (Der WM-Spielplan als PDF zum Ausdrucken)

Bei seiner Einwechslung wurde der Profi von Manchester City von den eigenen Zuschauern ausgepfiffen. Als Gündogan in der 57. Minute an der Seitenlinie bereitstand und Marco Reus ablösen sollte, ertönten von den Rängen lautstarke Unmutsäußerungen. 

Löw legt sich mit Fans an

Bundestrainer Joachim Löw reagierte verärgert und forderte das Publikum auf, Gündogan zu applaudieren.

SPORT1 fragte unmittelbar nach Spielschluss beim Bundestrainer nach: War der Applaus positiv als Ansporn gemeint? Löws Antwort: "Ja". 

In der ARD verteidigte Löw Gündogan: "Er hat sich der Presse gestellt und erklärt, dass er die deutschen Werte lebt, sich voll und ganz mit ihnen identifiziert und sie verkörpert. Irgendwann ist das Thema auch mal vorbei."


Die Fans folgten seiner Aufforderung jedoch nicht. Gündogan wurde weiter bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. 


Deutsche Abwehr mit einigen Wacklern

Auf dem Platz hatte die DFB-Elf durch Timo Werner (8.) und ein Eigentor von Omar Othman (43.) zunächst kaum Zweifel am ersten Sieg nach fünf Spielen aufkommen lassen.

Die Mannschaft zeigte sich nach dem enttäuschenden 1:2 in Österreich bemüht, Wiedergutmachung zu leisten. Der Abwehrverbund zeigte gegen die Nummer 67 der Welt aber eindeutig zu viele Wackler.(Spielplan der WM)

So gelang dem Gast noch das Anschlusstor: Taiseer Al-Jassim verkürzte (85.) per Nachschuss nach Foulelfmeter auf 1:2. Der für Manuel Neuer zur Pause eingewechselte Marc-Andre ter Stegen hatte zuvor den Strafstoß von Mohammed Al-Sahlawi nach Foul von Sami Khedira pariert.

In der Schlussphase hatte der Underdog sogar noch die Chance auf den Ausgleich. Deutschland entging mit Glück einer Blamage. 


Für Löw besteht allerdings noch kein Grund zur Sorge. "Ich weiß, dass wir uns steigern müssen. Aber wenn das Turnier beginnt, werden wir da sein", sagte der Weltmeister-Trainer: "Wir können Dinge verbessern, absolut. Aber nach zwei Wochen Trainingslager fehlen die Kräfte, das ist normal. Nächste Woche werden wir mehr Power haben."

"Es gibt keine kleinen Mannschaften mehr", meinte Reus in der ARD: "Wir haben es aber in einigen Bereichen nicht gut gemacht. Wir sind in viele Konter gelaufen, die Lücken waren zu groß. Aber wir sind eine Turniermannschaft, wir haben noch eine Woche Zeit. Deutschland muss sich keine Sorgen machen."

Ter Stegen bekommt auch Spielpraxis

Immerhin: Es gab auch positive Erkenntnisse: Kapitän Neuer strahlte in seinem zweiten Länderspiel nach überstandener Fußverletzung abermals Ruhe und Souveränität aus.

Mit Wiederbeginn wurde er von Stellvertreter ter Stegen ersetzt. Boateng, der nach seiner Adduktorenverletzung sechs Wochen nicht gespielt hatte, bekam ebenfalls nur 45 Minuten. Anfangs war ihm die fehlende Praxis anzumerken.

Wie für Boateng war die Partie auch für Toni Kroos sowie Mats Hummels und Thomas Müller ein Härtetest. Alle drei Spieler hatten beim enttäuschenden 1:2 in Österreich noch gefehlt, ihre Rückkehr tat dem deutschen Spiel gut. 

Vier Tage vor dem Abflug nach Moskau legte Löw die Karten auf den Tisch: Die Elf, die 30.210 Zuschauer in der ausverkauften BayArena sahen, dürfte auch zum WM-Auftakt am 17. Juni (17.00 Uhr) gegen Mexiko auflaufen. Einzig Weltmeister Özil könnte noch ins Team rücken, sofern er fit wird.

Deutschland muss um Sieg zittern

Die "grünen Falken", die am Donnerstag gegen Gastgeber Russland das WM-Eröffnungsspiel bestreiten, versuchten ihre spielerische Unterlegenheit versuchten sie bisweilen, mit Härte wettzumachen. Kroos (20.) und Kimmich (23.) bekamen dies schmerzlich zu spüren.

Dies zusammen mit der Führung und der schwülen Witterung führte zu einem Bruch im deutschen Spiel. Im Angriff ging die Zielstrebigkeit verloren, in der Defensivarbeit häuften sich die Nachlässigkeiten. Neuer oder Boateng schimpften immer wieder über mannschaftstaktische Fehler.

Werner (32.) und Sami Khedira (37.) per Direktabnahme nach einer Reus-Flanke verpassten das 2:0. Einem regulären Treffer von Müller wurde die Anerkennung versagt (41.), ehe Othman einen Hackenball des Bayern-Profis unglücklich ins eigene Netz verlängerte.

In der zweiten Hälfte hatten Draxler (50.) und Müller (55.) weitere Treffer auf dem Fuß. Löw nutzte die zweiten 45 Minuten zu weiteren personellen Experimenten, wodurch der Spielfluss gehemmt wurde. In der Schlussphase musste die deutsche Mannschaft dann sogar um den Sieg bangen.