Corona-Rekord in Frankreich; WHO sieht ‘gefährlichen Moment’

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Der Chef der Weltgesundheitsorganisation sieht die Nordhalbkugel in einer kritischen Lage, in Frankreich könnte die Lage noch schlimmer sein als offiziell gemeldet, und Spanien kündigt eine Ausgangssperre an: Der Corona-Überblick.

“Dies ist ein gefährlicher Moment für viele Länder in der nördlichen Hemisphäre”, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Online-Konferenz im Rahmen des World Health Summit, der am Montag in Berlin begonnen hat. Die Länder müssten eine “schwierige Balance” zwischen Schutz der Bevölkerung und der Eindämmung des ökonomischen Schadens finden, erklärte er. Weltweit überschritt die Zahl der Infektionen nach Angaben der Johns Hopkins Universität die Marke von 43 Millionen, 1,15 Millionen Menschen sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben.

In Italien treten am Montag neue Beschränkungen in Kraft, darunter verkürzte Öffnungszeiten für Kneipen und Restaurants, und Schließungen von Unterhaltungsbetrieben und Sportstudios. Die Italiener sind zudem aufgefordert, auf Reisen zu verzichten.

“Wir müssen die Pandemie bewältigen, ohne uns überfordern zu lassen”, sagte Premierminister Giuseppe Conte am Sonntag in Rom. “Wenn wir in diesem Monat die Vorschriften beachten, können wir die Kurve unter Kontrolle halten und gelassener den Dezember und die Feiertage erwarten.” Die Zeitung La Repubblica berichtete, dass Conte ein neues, fünf Milliarden Euro schweres Hilfspaket vorbereite.

In Spanien hat das Kabinett am Sonntag den Notstand gebilligt und eine Ausgangssperre zwischen 23 Uhr und sechs Uhr morgens angekündigt, die im gesamten Land außer den kanarischen Inseln gelten soll. Am Montag wird Premierminister Pedro Sanchez die Maßnahmen mit den 17 Regionalpräsidenten und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen besprechen.

In Belgien sei ein neuer Lockdown nicht auszuschließen, wenn die Ansteckungsrate bis nächste Woche nicht deutlich sinke, sagte Yves van Laethem, Sprecher der Covid-19-Taskforce des Landes. “Im Moment warten wir die Ergebnisse der ergriffenen Maßnahmen ab. Wenn wir keine Veränderung sehen, etwa bis Anfang nächster Woche, dann sollten wir in Belgien einen Lockdown haben.”

Frankreich sei in einer schwierigen Lage, und die Neuinfektionen lägen bei schätzungsweise 100.000 pro Tag, sagte Jean-Francois Delfraissy, Leiter des wissenschaftlichen Beraterteams der Regierung, im RTL Radio. Die Zahl ist fast doppelt so hoch wie der am Sonntag offiziell gemeldete Rekordwert von 52.010 neuen Fällen. Covid-19-Patienten belegen laut Gesundheitsbehörde fast 70% der Intensivbetten in der Region Paris. Die Lage sei “besorgniserregend, und wir müssen absolut alles tun, um die Dynamik dieser Pandemie zu stoppen”, sagte Arbeitsministerin Elisabeth Borne auf LCI TV.

In Deutschland wurden nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden 8.391 Personen neu mit dem Coronavirus diagnostiziert, gegenüber 8.688 am Vortag.

Sonntags und Montags liegen die gemeldeten Zahlen aufgrund von Meldeverzögerungen am Wochenende häufig niedriger. Am Samstag waren 22.236 Fälle gemeldet worden. Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik bei insgesamt 443.189 Personen festgestellt.

Im Zusammenhang mit Corona gab es 27 weitere Todesfälle, nach 27 am Sonntag und 48 am Samstag; die Gesamtzahl stieg damit auf 10.062.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, bei 1,45, nach 1,36 am Vortag. Der 7-Tage-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 1,39 angegeben

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Frankreich im 7. Absatz)

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