Europas Regierungen gehen im Kampf gegen Corona die Optionen aus

David Verbeek
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Die Bundesregierung plant strengere Maßnahmen, in Italien protestieren viele Menschen gegen Ausgangssperren, und Frankreich steht vor schweren Entscheidungen: Der Corona-Überblick.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird Medienberichten zufolge bei ihrem Treffen mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch schärfere Pandemiemaßnahmen vorschlagen. Restaurants sollen demnach geschlossen und große Events untersagt werden. Anders als beim Lockdown im Frühjahr sollen Schulen und Kitas aber geöffnet bleiben, außer in Regionen mit besonders hohen Infektionsraten.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Dienstagmorgen wurden in Deutschland in den zurückliegenden 24 Stunden 12.340 Personen neu mit dem Coronavirus diagnostiziert. Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 455.529 Personen festgestellt.

Mit stark steigenden Infektionszahlen sind die Optionen der europäischen Regierungen im Kampf gegen die Pandemie zunehmend erschöpft. “Viele Länder sehen sich nun dem Gespenst des Shutdowns gegenüber”, sagte Michael Ryan, Chef des Emergencies Program der Weltgesundheitsorganisation. Im späten Frühjahr sei es gelungen, dem Virus voraus zu sein. “Die entscheidende Frage ist: Wie bleiben wir dem Virus eine Nasenlänge voraus?”

Die französische Regierung stehe im Kampf gegen die Pandemie vor “schweren Entscheidungen”, sagte Innenminister Gerald Darmanin am Dienstag in einem Radiointerview. Der Verband der Kleinunternehmen des Landes, CPME, warnte vor einem “Kollaps” der Wirtschaft, wenn ein teilweiser oder vollständiger Lockdown verhängt werde.

In Italien tritt am Dienstag das Kabinett zusammen, um über ein Hilfspaket im Volumen von 5 Milliarden Euro zu entscheiden. In Mailand, Turin und weiteren Städten kam es zu Protesten gegen die Corona-Restriktionen. Die jüngsten Maßnahmen beinhalten unter anderem Sperrstunden für Kneipen und Restaurants und die Schließung von Spielstätten und Fitnessstudios. In größeren Städten gibt es darüber hinaus nächtliche Ausgangssperren.

Die Niederlande melden Rekordwerte bei den wöchentlichen Fallzahlen. Um die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft abzufedern, hat Finanzminister Wopke Hoekstra weitere 500 Millionen Euro bereitgestellt. Das Paket soll unter anderem Einnahmeausfälle ausgleichen, etwa von geschlossenen Kneipen und Restaurants.

In Bulgarien haben Neuinfektionen und Todesfälle ein neues Rekordhoch erreicht. Erstmals lag die Zahl der gemeldeten Ansteckungen binnen 24 Stunden über 2.000. Auch die Zahl der Patienten in Intensivbehandlung erreichte Höchststände.

In Deutschland gab es im Zusammenhang mit Corona 41 weitere Todesfälle; die Gesamtzahl stieg damit auf 10.103.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, bei 1,37, nach 1,45 am Vortag. Der 7-Tage-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 1,30 angegeben

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um WHO, Niederlande)

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