Deutschland: Inflation überraschend gestiegen

dpa-AFX

WIESBADEN (dpa-AFX) - In Deutschland hat sich die Inflation überraschend erhöht. Die Verbraucherpreise seien im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten stattdessen im Mittel mit einer Abschwächung der Teuerungsrate von 1,5 Prozent im Mai auf 1,4 Prozent gerechnet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Euroraum eine Inflation von knapp zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität als gewährleistet ansieht. EZB-Präsident Mario Draghi hat sich am Dienstag in einer Rede zuversichtlich zur Wirtschaft und zur Inflation im Euroraum gezeigt. Dies lässt nach Einschätzung vieler Anleger auf eine baldige Abkehr von der lockeren Geldpolitik schließen - eine Einschätzung, die durch die robusten Zahlen aus Deutschland tendenziell noch mehr Anhänger bekommen dürfte. Der Euro legte seit Draghis-Rede kräftig zu und stieg im Verhältnis zum US-Dollar um über zwei Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2016.

PLUS AUCH IM MONATSVERGLEICH

Im Monatsvergleich stiegen die deutschen Verbraucherpreise den Statistikern zufolge im Juni um 0,2 Prozent. Hier hatten Experten stattdessen eine Stagnation erwartet, nachdem die Preise im Mai rückläufig gewesen waren.

Bei dem für europäische Vergleichszwecke harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) meldete das Bundesamt für Juni einen Anstieg um 1,5 Prozent im Jahresvergleich sowie einen Anstieg um 0,2 Prozent im Monatsvergleich. Auch hier wurden die Erwartungen übertroffen. Der HVPI ist für die Geldpolitik der EZB relevant.

Die endgültigen Zahlen zur Inflation werden die Statistiker in ihrer zweiten Schätzung am 13. Juli veröffentlichen.