Steinmeier und Macron weihen gemeinsame Weltkriegs-Gedenkstätte im Elsass ein

Mit einem symbolischen gemeinsamen Auftritt im Elsass haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am Freitag die erste deutsch-französische Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg eingeweiht

Mit einem symbolischen gemeinsamen Auftritt im Elsass haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am Freitag die erste deutsch-französische Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg eingeweiht. Sie erinnerten an die schätzungsweise 30.000 deutschen und französischen Soldaten, die in den Schützengräben am Berg Hartmannsweilerkopf in den Vogesen starben, und mahnten mit Blick auf die Brexit-Krise eine rasche Reform der Europäischen Union an.

Steinmeier warnte in seiner Rede vor dem Irrglauben "an die Überlegenheit der eigenen Nation über andere Nationen". Er verwies auf den Spitznamen des Berges: "Menschenfresser". Die Geschichte zeige aber: "Nicht dieser Berg ist ein Menschenfresser - der Nationalismus ist ein Menschenfresser." Jede Generation müsse aufs Neue lernen, die Idee der Nation von der Ideologie des Nationalismus zu unterscheiden.

Es gehe um eine "gemeinsame Lesart unserer Geschichte", die der "Sockel für eine gemeinsame Zukunft" sei, sagte Macron nach einem Treffen mit Steinmeier in Paris, bevor beide Staatsoberhäupter gemeinsam zur der Zeremonie im Elsass aufbrachen.

Der 956 Meter hohe Hartmannsweilerkopf im Süden der deutsch-französischen Grenzregion war im Ersten Weltkrieg Schauplatz blutiger Schlachten. Die meisten der rund 30.000 deutschen und französischen Soldaten fielen zwischen Dezember 1914 und Januar 1916.

Das neue sogenannte Historial ist das einzige gemeinsame Museum und Erinnerungszentrum beider Länder zum Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung wurde von einem deutsch-französischen Wissenschaftsrat erarbeitet, den die Historiker Gerd Krumeich und Nicolas Offenstadt leiteten.

Den Grundstein für das Museum und die Gedenkstätte hatten 2014 der damalige Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Präsident François Hollande gelegt. Anlass war der hundertste Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs.

Steinmeier betonte, in einer Phase, in der es um die Überwindung der europäischen Krise gehe, müssten die Nationen erneut daran erinnert werden, "wo wir herkommen". Zuvor hatte er in Paris gesagt: "Wir wissen um die Aufgabe unserer beiden Länder, dieses Europa in eine hoffnungsvolle, in eine bessere Zukunft zu führen." Die Globalisierung und die Attentate in Frankreich hätten zu "Verunsicherungen" bei den Bürgern geführt, die überwunden werden müssten.

Auch Macron sprach unter Verweis auf den Brexit von einer weit verbreiteten "Skepsis und Zurückweisung Europas". "Wir dürfen nicht ängstlich sein, sondern müssen Vorschläge machen und handeln, um tiefgreifende Änderungen voranzutreiben", betonte er. Er teile mit Steinmeier "die Einschätzung, dass diese Neugründung nötig und dringlich ist." Das kommende Jahr sei für eine Reform der EU entscheidend.

Macron kündigte an, er werde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Details einer EU-Reform ausarbeiten, sobald die neue Regierungskoalition in Berlin stehe. Es gehe um ein "neues europäisches Projekt", bei dem Deutschland und Frankreich die Rolle eines "Motors" zukomme.

Steinmeier lobte zudem die Europa-Rede Macrons an der Sorbonne-Universität von Ende September: "Ich bin mir sicher, dass dieser Schwung, der von der Sorbonne-Rede ausging, auch von einer neuen Bundesregierung aufgegriffen werden wird", betonte der Bundespräsident.

In seiner Ansprache hatte Macron eine "Neugründung" der EU angeregt und seine Forderung nach einem eigenen Haushalt für die Eurozone sowie einem Finanzminister bekräftigt. In Teilen der CDU/CSU sowie bei der FDP stoßen diese Vorschläge auf große Skepsis.