Deutschland-Chef von Easyjet zu Flugausfällen – „Wir können nicht alles kontrollieren“

Der Deutschland-Chef von Easyjet Thomas Haagensen über die Verspätungswelle, Kosten und Pläne des britischen Billigfliegers für den Brexit.


In den vergangenen Wochen war es besonders schlimm: Tausende Flüge in Europa wurden abgesagt oder haben sich verspätet. Das traf auch Thomas Haagensen. Der Deutschland-Chef der britischen Fluggesellschaft Eaysjet sitzt mehrmals pro Woche im Flugzeug.

In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Flieger verspätet oder sind gleich ganz ausgefallen. Wie viele Flüge waren bei Easyjet betroffen?
Im letzten Quartal, also von April bis Juni, fielen bei uns in Europa rund 2600 Flüge aus. Ein Jahr davor waren es lediglich 314.

Woran liegt es, dass derzeit so ein Chaos herrscht?
Es sind verschiedene Faktoren für die Verspätungen oder Absagen verantwortlich. Zum einen etwa das Wetter – wir hatten in diesem Frühjahr ungewöhnlich viele heftige Gewitter. Zum anderen haben Fluglotsen in Frankreich und Italien 24 Tage gestreikt. Und das führt nicht nur bei Flügen mit dem Ziel Frankreich und Italien zu Problemen, sondern auch bei Flügen im Luftraum dieser Länder. Auf Flüge von und nach Deutschland hatte das massive Auswirkungen.

Ryanair und IAG, die Holding von British Airways und Iberia, haben wegen der Streiks Klage bei der EU eingereicht. Wollen Sie sich dem anschließen?
Wir planen, nächste Woche ebenfalls zu klagen. Aber das System muss grundlegend reformiert werden.

Zahlen Sie denn Ihren Kunden Entschädigung? Der Grund für die Verspätungen oder Ausfälle ist ja nicht immer eindeutig nachzuweisen.
Wir prüfen von Fall zu Fall, ob Entschädigung zu zahlen ist. Und gleichzeitig versuchen wir, die Folgen für unsere Kunden so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Etwa, indem wir unsere Kunden so schnell wie möglich und so offen wie möglich informieren, sie so schnell wie möglich umbuchen oder eine Unterkunft organisieren.


Wie teuer ist das für Easyjet?
Im Durchschnitt bekommt jeder Kunde 170 Pfund, also 190 Euro, Entschädigung. Insgesamt waren das im vergangenen Quartal 25 Millionen Pfund mehr als ein Jahr zuvor.

Wann wird sich die Lage bessern?
Wir tun unser Möglichstes. Aber wir können nur das kontrollieren, was sich kontrollieren lässt. Und, wie gesagt, die Probleme sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, etwa das Wetter. Das lässt sich nun einmal nicht kontrollieren.

Treffen Sie eigentlich Vorbereitungen für den Austritt Großbritanniens aus der EU?
Wir haben unsere Tochter in Österreich gegründet und registrieren dort die in Europa fliegenden Maschinen. Damit sind – egal, was bei einem Brexit passiert – unsere Flugverbindungen in Europa gesichert, ebenso wie die Verbindungen innerhalb Großbritanniens. Die letzte Unbekannte ist der Flugverkehr zwischen dem Kontinent und Großbritannien. Aber wir sind zuversichtlich, dass da eine Einigung gefunden wird. Das ist im Interesse aller Beteiligten.

Herr Haagensen, danke für das Gespräch.