Nato beschließt neue Kommandozentren zur schnelleren Truppenverlegung

Bericht legt Mängel bei Einsatzbereitschaft dar

Nach ihrer massiven Verstärkung in Osteuropa wegen Russlands Vorgehen in der Ukraine-Krise hat die Nato neue Kommandozentren zur schnellen Truppenverlegung im Krisenfall beschlossen. Die Nato-Verteidigungsminister billigten am Mittwoch den Aufbau einer Leitstelle zur Sicherung der Versorgungsrouten über den Atlantik und eines Logistik-Kommandos zur reibungslosen Verlegung von Soldaten und Material innerhalb Europas. Die Bundeswehr soll dabei das Transport-Kommando übernehmen.

Die Nato müsse "im Spannungs- oder Krisenfall" schnell Truppen verlegen können, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Deutschland biete sich für das Kommando an, weil es "geografisch im Herzen Europas" liege und "große Erfahrung beim Thema Logistik und Unterstützung" habe.

Das neue Atlantik-Kommando soll die Seeverbindungen zwischen den USA und Europa schützen einschließlich wichtiger Infrastruktur wie Unterseekabeln. Hier wollen die USA die Führung übernehmen.

Seit der Ukraine-Krise und Russlands Annexion der Krim 2014 hat die Nato ihre Truppenpräsenz in Osteuropa deutlich verstärkt. Nun passt sie auch ihre Kommandostruktur an, die nach Ende des Kalten Krieges stark zusammengestrichen worden war.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte, die neuen Kommandos richteten sich nicht gegen Bedrohungen aus bestimmten Himmelsrichtungen. Sie könnten auch der Verlegung an die Südgrenzen der Allianz dienen, sagte er. "Es geht um 360 Grad." Mit Blick auf Russland setze die Nato weiter auf Dialogangebote und Abschreckung. "Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg."

Einen genauen Standort gibt es für das Logistik-Kommando noch nicht. Es soll im Westen Deutschlands angesiedelt werden. Im Gespräch sind Bonn und auch Ulm. Die endgültige Standortentscheidung soll laut Stoltenberg erst bis Mitte des Jahres fallen. Der Zuschlag an Deutschland gilt laut Diplomaten als sicher.

Ein derartiges Transport- und Logistik-Kommando gibt es bisher in der Nato nicht. Truppenverlegungen müssen von einzelnen Nato-Ländern weitgehend selbst organisiert werden. Schweres Gerät wie Panzer muss dabei an jeder Grenze durch zeitraubende Zollformalitäten.

Ziel sei es, künftig "ohne große Bürokratie mit großer Geschwindigkeit" Truppen zu verlegen, sagte von der Leyen. Entstehen solle dabei Art "militärisches Schengen" in Anlehnung an die Reisefreiheit für Personen und Güter ohne Grenzkontrollen in weiten Teilen Europas. Das neue Kommando soll dabei nicht nur die Transportleistungen für die Nato-Partner koordinieren, sondern auch Schutz und Versorgung der verlegten Truppen garantieren.