Deutsches Eishockey: Raus jetzt aus dem Dornröschenschlaf

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat in Pyeongchang die Geschichtsbücher neu geschrieben und landesweit eine enorme Begeisterung entfacht. Nun liegt es an den nationalen Verbänden, die Gunst der Stunde zu nutzen, denn das deutsche Eishockey steht nicht gerade blendend da. Ein Kommentar von Yahoo Sport-Redakteur Tommy Gaber. 

Das DEB-Team feierte in Pyeongchang den größten Erfolg der deutschen Eishockey-Geschichte

55 Sekunden fehlten am Ende zum ganz großen Wurf. Eine Hand hatten die deutschen Kufen-Cracks schon an der Goldmedaille, ehe sie in Überzahl (!) den Ausgleich kassierten und in der Overtime bei vier gegen vier gegen die technisch besseren Russen letztlich chancenlos waren.

Klar ist aber, dass das DEB-Team nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen hat. Nach 1980, als eine amerikanische College-Auswahl die übermächtige russische Sbornaja im Finale in Lake Placid schlug, hat Olympia wieder ein Miracle on Ice.

Die NHL jagt Marco Sturm

Der Mannschaft von Trainer Marco Sturm ist es gelungen, ihren Sport im deutschen Medaillenregen ins Zentrum der Berichterstattung zu stellen. Millionen Deutsche, saßen am Sonntagfrüh um 5 Uhr vor dem Fernseher – um Eishockey anzuschauen. Ein völlig neues Phänomen in der deutschen Sportgeschichte.

Auch wenn das deutsche Wintermärchen in Eishockey verrückten Nationen wie Kanada oder Russland eher belächelt wurde und stattdessen die eigenen Versager (Kanada!) mit Hohn und teilweise sogar Hass überschüttet wurden, hat die Erfolgsstory des DEB auch über die nationalen Grenzen hinaus für Aufsehen gesorgt.

Viele Medien Nordamerikas, der Heimat der NHL, liegen Marco Sturm zu Füßen. Der Bundestrainer hat eine Vergangenheit als erfolgreicher Spieler der NHL und wird durch Olympia prompt als aussichtsreicher Kandidat für einen Chef- oder wenigstens Assistenztrainer bei einigen namhaften NHL-Teams gehandelt.

Legende Erich Kühnhackl prophezeit Eishockey-Boom

Probleme im Nachwuchs

Talente wie Dominik Kahun oder Jonas Müller haben sich in Pyeongchang in den Fokus von NHL-Scouts gespielt und dürfen auf eine Karriere in der mit Abstand besten Liga der Welt hoffen.

Das war’s dann aber auch schon mit den guten Nachrichten. Das deutsche Eishockey ist nämlich weit davon entfernt, auf Rosen gebettet zu sein. Mit Leon Draisaitl, Tom Kühnhackl oder Thomas Greiss hat Deutschland aktuelle Stars in die NHL exportiert, in der Breite hat der DEB aber viel Nachholbedarf. Die Nachwuchsförderung läuft schleppend, es kommen zu wenige Talente nach. Die U-20-Nationalmannschaft nimmt zum dritten Mal in Folge nur an der B-WM teil.

Der DEB muss in enger Zusammenarbeit mit der DFL Strukturen schaffen, um die Silbermedaille von Pyeongchang vergolden zu können. Der Olympia-Erfolg darf keine Eintagsfliege bleiben, die Welle der Euphorie muss genutzt werden. Marco Sturm hat seinen Vertrag als Bundestrainer nach langem Ringen bis 2022 verlängert.

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Verbände müssen die Chance nutzen

Das war ein erster wichtiger Schritt, jedoch muss Sturms Zögern bei der Vertragsunterschrift Warnung genug sein. Dem Bundestrainer dürften in Kürze Angebote aus der NHL ins Haus flattern; er wird nur weitermachen, wenn Deutschlands Eishockey endlich nachhaltig aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Das geht nur über die gezielte Ausbildung von Qualitätsspielern.

Die olympische Silbermedaille ist eine riesen Chance. Es liegt nun am Verband und an der Liga, daraus Profit zu schlagen.