Deutscher UN-Botschafter fürchtet 'Scherbenhaufen' wegen USA

NEW YORK (dpa-AFX) - Der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen hat angesichts der Abkehr der Trump-Regierung von internationalen Abkommen und Bündnissen vor einem Zusammenbruch der gemeinsamen Wertebasis gewarnt. Unabhängig davon, wer in Washington regiere, müsse für die multilaterale Zusammenarbeit geworben werden. "Sonst wird das ein Scherbenhaufen", sagte Heusgen der "Rheinischen Post" (Samstag). "Natürlich müssen internationale Organisationen fortlaufend modernisiert werden, aber man kehrt ihnen nicht den Rücken, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist."

Der Austritt der Vereinigten Staaten beispielsweise aus der Kulturorganisation Unesco, dem Klima-Abkommen von Paris oder dem Atomdeal mit dem Iran sei sehr bedauerlich. Das gelte auch für den Rückzug von US-Präsident Donald Trumps aus der Weltgesundheitsorganisation WHO: "Außer den Amerikanern kenne ich niemanden, der sagt, dass die Weltgemeinschaft eine Pandemie des Ausmaßes wie Corona nicht gemeinsam mit der WHO lösen muss."

In Bezug auf die UN sieht Heusgen eine weitere Eskalation aber nicht bevorstehen, denn die USA bräuchten die Weltorganisation auch: Es gebe Bereiche "wie etwa Sanktionen gegen Nordkorea, bei denen die USA ein großes Interesse daran haben, dass die Vereinten Nationen funktionieren".

Deutschland ist als nicht-ständiges Mitglied für zwei Jahre in den Sicherheitsrat gewählt. Im Juli saß Heusgen dem mächtigsten UN-Gremium als Präsident vor.