Deutscher Staat macht größtes Plus seit dem Mauerfall

Die deutsche Wirtschaft hat Ende 2017 kaum Fahrt verloren.

Dank anziehender Exporte stieg das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember um 0,6 Prozent zum Vorquartal, so das Statistische Bundesamt. Im Sommer hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Im Gesamtjahr 2017 legte Europas größte Volkswirtschaft um 2,2 Prozent zu, so stark wie seit 2011 nicht mehr.

Die gute Konjunktur sorgte auch für volle Kassen bei der öffentlichen Hand. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 36,6 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben – laut Statistikern der höchste Überschuss seit dem Mauerfall: “Das ist absolut gesehen der höchste Überschuss, den der Staat seit der deutschen Wiedervereinigung erzielte”. Die Summe entspricht 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Der Staat schreibt damit bereits das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen.

Für Schwung sorgte im Schlussquartal 2017 der Außenhandel - die Exporte stiegen (+ 2,7 Prozent) schneller als die Importe (+ 2,0 Prozent). Während der Staat seine Konsumausgaben um 0,5 Prozent erhöhte, stagnierten die Ausgaben der Verbraucher. Unternehmen investierten in Maschinen und Anlagen etwas mehr als zuletzt - hier gab es ein Plus von 0,7 Prozent. Bauinvestitionen sanken um 0,4 Prozent.

EXPORTWELTMEISTER

Deutschland hat dem Ifo-Institut zufolge im vergangenen Jahr erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Mit 287 Milliarden Dollar (gut 230 Milliarden Euro) sei er mehr als doppelt so groß ausgefallen wie der von Exportweltmeister China mit 135 Milliarden Dollar (rund 110 Milliarden Euro), so die Berechnungen der Münchner Forscher ("Reuters"). „Damit lag Deutschland zum zweiten Mal in Folge vor allen anderen Ländern“, sagte Ifo-Experte Christian Grimme. Noch vor China auf Platz zwei schob sich diesmal Japan, das einen Überschuss von etwa 203 Milliarden Dollar (etwa 165 Milliarden Euro) erwirtschaftete.

Die Daten bergen politischen Zündstoff: Deutschland wird wegen seines enormen Überschusses von US-Präsident Donald Trump kritisiert, aber auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission.

EUPHORIEBREMSE

Trotz der Rekordjagd schraubten die vom Ifo-Institut befragten Firmen-Manager ihre Erwartungen im Februar merklich herunter. “Die deutsche Wirtschaft tritt auf die Euphoriebremse”, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest jüngst zum überraschend deutlichen Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex.

Viele machten sich Sorgen über den gegenüber dem Dollar weiter steigenden Euro zu machen. Andere ahnen, dass eine neue Große Koalition zwar viele Segnungen für Beschäftigte, aber eher Belastungen für Unternehmer bringen könnte.

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Sigrid Ulrich mit Reuters