Deutscher No-Name-Trainer überrascht in Polen

Reinhard Franke

Seit dem 1. Juli arbeitet Gino Lettieri als Cheftrainer beim polnischen Erstligisten Korona Kielce. Und das durchaus mit Erfolg.

Vor der Saison wurde das Team als Absteiger Nummer eins gehandelt. Nach 21 Spielen steht Lettieri mit seinen Mannen auf Platz sieben. Zudem ist Kielce ins Pokal-Halbfinale eingezogen.

"Was wir bisher erreicht haben, ist das Ergebnis harter, konzentrierter und professioneller Arbeit", sagte Lettierti SPORT1. "Wenn wir unter die ersten Acht kommen, können wir die Playoff-Runde spielen. Das wäre ein Riesen-Erfolg."

Erfolgreich im Ausland

Lettieri ist kaum für seine Arbeit bekannt. Doch sein Schnitt von 1,72 Punkten pro Spiel kann sich sehen lassen. Anerkennung kommt selten aus Deutschland, in Polen erhält er sie aber: Im Oktober und November 2017 wurde Lettieri von seinen Trainerkollegen zum besten Coach der polnischen Liga gewählt. Als erster Ausländer überhaupt. 

"Ich wusste, dass ich keinen so schlechten Job gemacht haben kann. Das haben die Auszeichnungen bewiesen", sagte Lettieri. "Das war schon toll, denn da durften nur die Trainer abstimmen. Das heißt schon etwas und das macht mich auch etwas stolz."

In Deutschland trainierte Lettieri zuletzt den MSV Duisburg (2014/2015) und 2017 für nur zweieinhalb Monate den FSV Frankfurt. Im Juli begann schließlich sein Abenteuer in Polen.

20 Jahre Trainer in Deutschland

"Ich wollte etwas anderes machen, war 20 Jahre als Trainer in Deutschland tätig und da kam die Anfrage aus Polen. Es hat mich gereizt, dort in der 1. Liga zu arbeiten", sagte Lettieri.

Der Erfolg gibt ihm recht. "Ich mache nicht so viel anders als in der Vergangenheit in Deutschland. Bei uns wird einfach viel Fußball gespielt, ich arbeite viel mit dem Ball und extrem viel im taktischen Bereich."

Kann er sich irgendwann eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?

"Bin natürlich dafür offen"

"Korona will mit mir verlängern, ich bin natürlich dafür offen", sagte Lettieri. "Die Frage ist aber, welchen Weg der Verein in Zukunft gehen will." Korona sei "ein kleiner Klub, aber das ganze Projekt hat mich gereizt und reizt mich immer noch".

Die Kritiker hat er längst Lügen gestraft. "Am Anfang wurde ich von den Medien böse attackiert, weil ich sehr viele Sachen geändert habe. Da wurde hart über uns berichtet. Aber die Medien haben inzwischen realisiert, dass das alles aus gutem Grund so geschehen ist."