Deutscher Makler in New York: «Die Ampeln stehen auf Grün»

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Der deutsche Luxus-Makler Sebastian Steinau  auf einem Balkon am  Central Park vor der Skyline von Manhattan.
Der deutsche Luxus-Makler Sebastian Steinau auf einem Balkon am Central Park vor der Skyline von Manhattan.

Wolkenkratzer mit Skyline-Blick oder Townhouse auf der Upper East Side: Der Immobilienmarkt New Yorks ist hart umkämpft. Mittendrin: ein deutscher Makler, der die Zukunft seiner Branche jetzt rosig sieht.

New York (dpa) - Noch ist die Corona-Krise auch in New York nicht vorbei. Aber der ImmobilienmMarkt ziehe zumindest schon wieder mächtig an, sagt Sebastian Steinau. «Das ist das Schöne an New York - es ist unheimlich dynamisch. Wenn sich die Preise auch lange nach unten bewegt haben, umso schneller gehen sie dann auch wieder in die Höhe, und momentan kommt der Markt wirklich unheimlich schnell wieder.»

Der 42-Jährige aus Neheim im Sauerland ist seit rund fünf Jahren Luxus-Makler in New York - und «momentan echt guter Dinge».

«Das ist hier gerade «YOLO meets FOMO»», sagt Steinau. Das heißt übersetzt soviel wie: Man lebt nur einmal, kombiniert mit der Angst, etwas zu verpassen. «Wir haben alle ein beschissenes Jahr hinter uns. Die Perspektive hat sich verändert. Da denken viele, jetzt ist eine gute Zeit, um sich vielleicht mal ein bisschen zu belohnen, zu genießen, eine tolle Wohnung mit eigenem Außenbereich zu kaufen. Und die Stadt kommt ja wieder. Die Ampeln stehen auf Grün.»

Im vergangenen Frühjahr war die Millionenmetropole an der Ostküste zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden. Bislang haben sich in der Stadt mit rund acht Millionen Einwohnern mehr als 800.000 Menschen angesteckt, mehr als 30.000 sind nach einer Infektion gestorben. Der Immobilienmarkt wurde von der daraus resultierenden Krise weitgehend auf den Kopf gestellt. «Der Markt war auch 2018/2019 schon unheimlich schwer», sagt Steinau. Das habe unter anderem daran gelegen, dass die internationale Nachfrage aus unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Gründen nachgelassen habe. «Aber letztes Jahr war er komplett krass.» Er sei trotzdem aktiv geblieben und habe auch einiges verkauft. «Aber es war zurückhaltend.»

Von etwa 7500 Wohnungsverkäufen im Gesamtwert von knapp 14 Milliarden Dollar 2020 schrieb die «New York Times» unter Berufung auf eine Umfrage des Branchendienstes CityRealty. 2019 waren es noch fast 12.000 Verkäufe im Gesamtwert von fast 24 Milliarden Dollar.

Inzwischen aber hat sich das Infektionsgeschehen in der Metropole stabilisiert, die Impf-Kampagne kommt gut voran, und die Hoffnung ist nach New York zurückgekehrt. Schon im Januar dieses Jahres verdoppelte sich die Zahl der Wohnungsverkäufe in Manhattan und Brooklyn im Vergleich zum Januar 2020, analysierte die Maklerfirma Douglas Elliman.

«Ich glaube, solche Zeiten gab es lange nicht mehr, und es ist echt schön, das zu sehen und zu verfolgen», sagt Steinau. Noch seien große Rabatte möglich, das Preisniveau sei vergleichsweise niedrig, und noch seien es auch wegen Reise-Beschränkungen hauptsächlich lokale Kunden. Vieles laufe noch per Video-Schalte. Gerade habe er einem Paar aus Kalifornien eine Wohnung verkauft, die es zuvor nur per Zoom besichtigt habe. Aber auch die internationale Nachfrage steige wieder an, ein deutscher Interessent sei schon vorbeigekommen. «Wir schauen momentan sehr positiv in die Zukunft.»

Steinau ist spezialisiert auf Wohn-Immobilien ab fünf Millionen Dollar - vor allem in Nobel-Hochhäusern oder Townhouses in schicken Gegenden wie der Upper East Side oder der Upper West Side von Manhattan. Er zeigt aber auch schon ab etwa einer Million und hat auch schonmal etwas für 30 Millionen verkauft. Wer nicht mindestens eine Million Dollar übrig habe, sagt Steinau, für den mache das Investieren in Manhattan finanziell keinen Sinn.

Seine Kunden kommen normalerweise aus der ganzen Welt und haben oft hohe Anforderungen: Panikräume beispielsweise, in die sie sich im Notfall mit der Familie zurückziehen können. Oder Marmor aus Pakistan, Steine aus japanischen Tempeln und eine mindestens zehn Meter hohe Wand für ein ganz bestimmtes Kunstwerk. Ausblick auf den Central Park oder die Skyline sowieso, aber in diesen Zeiten auch vor allem ein großer privater Außenbereich.

«Ich arbeite in dieser Welt, aber das ist nicht mein Leben», sagt Steinau. «Ich finde es bewundernswert, dass es so eine Welt gibt, die sich die meisten Menschen selber aufgebaut haben. Zum Teil habe ich natürlich auch Freunde in dieser Welt, aber es ist nicht meine. Und sie bringt ja auch viel Negatives mit sich, viele müssen sich Sorgen um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder machen.»

In die Immobilien-Branche kam Steinau durch Zufall. Nach der Schulzeit in Deutschland, während der er wie sein Vater erfolgreicher Springreiter war, studierte er Wirtschaft in London und arbeitete dann unter anderem in Malawi und Papua-Neuguinea. Schließlich bot ihm ein Bekannter auf den Turks- und Caicosinseln in der Karibik an, den Verkauf für rund 200 Luxus-Anwesen auf einer Privatinsel mit Privatflughafen zu leiten. «Das war das erste Mal, dass ich Immobilien, also in diesem Fall Grundstücke, verkauft habe. Es war eine harte, aber auch eine sehr gute Schule. Diese amerikanische Art zu verkaufen, gleich alle Karten auf den Tisch zu legen. Willst du es oder willst du es nicht? Wir Deutschen sind da ja eher zurückhaltender und beschnuppern uns erstmal.»

Sechs Monate lang verkaufte Steinau gar nichts - aber dann lief es rund. Nach einem zweiten gescheiterten Insel-Projekt und einer Zeit in einem Resort lernte er dann 2013 in einem Club in New York seine heutige Frau kennen und zieht rund zwei Jahre später zu ihr. «Nach zehn Jahren Karibik war meine Piratenzeit dann auch mal vorbei.» In New York trifft er auf einen heiß umkämpften Immobilien-Markt mit scharfer Konkurrenz. Mehr als 25 000 Makler gibt es städtischen Angaben zufolge in der Metropole. «Vielleicht war da eine gewisse Naivität bei mir da, denn es ist natürlich ein grandioser Markt, aber auch einer der härtesten.»

Steinau heuert beim neu entstehenden Luxusturm-Stadtviertel Hudson Yards an, übernimmt dann einen neuen Wolkenkratzer nahe des Museum of Modern Art und macht sich schließlich selbstständig. «Man muss clever sein, man muss so eine gewisse positive Grundaggressivität haben und einfach richtig hart arbeiten - und das erkennt einem der Amerikaner dann auch richtig hoch an.»

Inzwischen lebt Steinau mit seiner Frau, deren Sohn und einer gemeinsamen kleinen Tochter nördlich des Central Parks. «Offene Sichten» seien ihm beim eigenen Wohnen wichtig, sagt er. Bei der Arbeit gehe es ihm aber vor allem darum, seine Kunden glücklich zu machen. «Das ist so ein tolles Gefühl, wenn du eine Immobilie für einen Kunden findest, der dann dort einzieht und dich dann ein Jahr später anruft und sagt: «Wow, das ist das Allerschönste.» Wie toll ist das?»