Deutscher Lehrerverband fordert politische Reaktion auf Gewalt an Schulen

Angesichts zunehmender Gewalt an Schulen hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, eine politische Reaktion gefordert. Er sei überzeugt, dass viele Lehrer an deutschen Schulen erheblichen physischen und psychischen Bedrohungen ausgesetzt seien, erklärte Meidinger am Freitag. Dafür trügen die Landesregierungen eine Mitverantwortung. "Wir erleben hier auch die Auswirkungen einer verfehlten Inklusionspolitik."

"Förderschulen wurden geschlossen und Lehrkräfte an Regelschulen unvorbereitet mit dieser immensen Herausforderung der Integration von Kindern allein gelassen", kritisierte Meidinger. Vor allem an Schulen in sozialen Brennpunkten sammelten sich problematische und besonders förderungsbedürftige Schülergruppen, die Lehrkräfte bedrängten und bedrohten. Regulärer Unterricht sei dann kaum mehr möglich.

"Es ärgert mich, wenn Schulminister sich kein Bild davon machen, wie in sozialen Brennpunkten heute vielfach die Schulrealität aussieht", erklärte Meidinger. Landesregierungen und die jeweiligen Schulaufsichten rief er dazu auf, Hilferufe von Lehrern ernst zu nehmen und sich nicht "wegzuducken".

Meidinger reagierte mit seinen Forderungen auf die zuletzt bekannt gewordenen Zustände an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese in Saarbrücken. Bereits im Juli hatte das Lehrerkollegium einen Hilferuf an die saarländische Landesregierung geschickt. Darin berichteten die Pädagogen von zunehmender Respekt- und Disziplinlosigkeit und baten um mehr Unterstützung.

"Wir haben den Brief geschrieben, weil wir im vergangenen Schuljahr an die Grenzen unserer Belastbarkeit gestoßen sind", sagte Pia Götten, Leiterin der Gemeinschaftsschule, am Freitag im Deutschlandfunk. Die Landesregierung habe auf den Hilferuf ihrer Schule reagiert und im September zugesagt, bis Januar 2018 ein Unterstützungskonzept zu erstellen. "Natürlich findet der Unterricht statt", sagte Götten. "Jedoch kostet dies oftmals ganz viel Kraft und Energie."