Deutscher Entwicklungshelfer im Niger entführt

Sicherheitskräfte nahe Ayorou im Niger

Im westafrikanischen Niger ist ein deutscher Entwicklungshelfer entführt worden. Die in Bonn ansässige Hilfsorganisation Help bestätigte am Donnerstag die Entführung ihres Mitarbeiters und erklärte, sie handele nun "in enger Abstimmung mit dem Krisenstab des Auswärtigen Amts" in Berlin. Wie die Nachrichtenagentur AFP vom Präfekten der Stadt Ayorou erfuhr, verschleppten bewaffnete Männer den Deutschen am Mittwoch nahe Ayorou in der westlichen Region Tillaberi. In der Grenzregion zu Mali sind bewaffnete Dschihadisten aktiv.

Help wollte keine weiteren Angaben zu dem Fall machen. Die Organisation ist seit 2005 in Niger aktiv und betreibt dort vor allem Gesundheitsprojekte sowie Projekte gegen Unterernährung.

Der Deutsche und seine Kollegen hatten den Präfekten am Mittwochmorgen über ihre Reiseabsichten informiert. Auf dem Rückweg von ihrem Einsatz seien der Deutsche und sein Fahrer dann "von bewaffneten Personen auf vier Motorrädern" gestoppt worden, sagte der Präfekt Jando Rhichi Algaher AFP am Telefon.

Die Angreifer hätten die beiden geschlagen, den Deutschen verschleppt und das Fahrzeug in Brand gesetzt. Der Präfekt berief sich bei seiner Schilderung auf die Aussage des Fahrers des Deutschen.

Die Region Tillaberi gilt als äußerst instabil. Es gibt immer wieder Anschläge durch dschihadistische Gruppen, die sich in der Regel gegen militärische Einrichtungen und Flüchtlingscamps richten.

Die Entführung des deutschen Helfers erfolgte zeitgleich mit dem Beginn der US-geführten Militärübung Flintlock, an der in mehreren Regionen des Niger mehr als 1500 afrikanische, europäische und US-Soldaten beteiligt sind.

Im Oktober 2016 war ein US-Entwicklungshelfer aus seinem Haus in Abalak in der Region Tahoua verschleppt worden. Ein nigrischer Soldat und ein Wachmann wurden dabei getötet, von der US-Geisel fehlt bis heute jede Spur.

Ein Jahr später wurden bei einem Anschlag in Ayorou zwölf nigrische Polizisten getötet. Bei einem anderen Angriff in der Region im Oktober 2017 wurden vier US-Soldaten und vier nigrische Soldaten getötet.

Der Niger teilt im Westen eine lange Grenze zum Krisenstaat Mali, wo die Bundeswehr mit mehr als tausend Soldaten an der UN-Mission Minusma beteiligt ist. Die Mission soll das Friedensabkommen und die Waffenruhe in Mali überwachen.

Erst am Mittwoch beschloss die Bundesregierung zudem die Verlängerung des EUTM-Mandates in Mali. Ziel der 2013 von der EU gestarteten Mission ist die Ausbildung von Sicherheitskräften in dem westafrikanischen Staat.

Das Bundeswehrmandat soll darüberhinaus ausgeweitet werden: So soll künftig auch eine Ausbildung in den Hauptquartieren der G5-Sahel Eingreiftruppe außerhalb Malis ermöglicht werden - voraussichtlich im Niger, in Mauretanien und im Tschad. Der Regionalorganisation G5-Sahel, zu deren Aufgaben neben der Sicherheit vor allem auch Landwirtschaftsförderung, Infrastrukturausbau und Armutsbekämpfung zählen, gehört neben Mali noch Burkina Faso an.