Deutscher Elon-Musk-Vertrauter gründet Energie-Startup: „Sehe Potenzial für 500 Millionen Euro Umsatz“

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Der Serienunternehmer Philipp Schröder hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Energiebranche einen Namen gemacht
Der Serienunternehmer Philipp Schröder hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Energiebranche einen Namen gemacht

Sein letzter Exit ist noch nicht lange her, da plant Philipp Schröder schon wieder etwas Neues. Der Szenekopf will eine digitale Vermittlung für Installateure und Services rundum Solaranlagen, Energiespeicher und Ladestationen aufbauen. Dass er dabei wie gewohnt groß denkt, zeigt schon der Name seiner neuen Firma: 1Komma5. „Pusten wir weiter so viele Schadstoffe in die Luft wie bisher“, sagt Schröder im Gespräch mit Gründerszene, „wird unser weltweites CO2-Budget schon in weniger als sieben Jahren aufgebraucht sein – und die Erde um mindestens 1,5 Grad wärmer.“

Der Gründer befürchtet wie viele Forscher eine dramatische Kettenreaktion: Auftauende Permafrostböden in Sibirien könnten Milliarden Tonnen zusätzliches CO2 freisetzen, genau wie Waldbrände in der Tundra oder in den Tropen. Schmelzendes Polareis könnte küstennahe Städte überfluten und mittelbar sogar den Golfstrom zum Versiegen bringen. In der Folge würde sich die Erde immer weiter aufheizen.

Eigentlich sei dieses Szenario kaum noch zu verhindern, sagt Schröder, zumal schon die „eher konservativen“ Ziele im Klimaschutzgesetz der Bundesregierung nicht ohne Weiteres zu erreichen seien. Beispiel Verkehr und Energie: Zwar plant der Bund, bis zum Jahr 2030 eine Million Ladepunkte für Elektroautos zu installieren und den Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix auf 65 Prozent zu erhöhen, etwa durch eine Pflicht von Photovoltaikanlagen auf Neubauten.

„Es fehlen 300.000 Techniker“

„Ohne zusätzliche Personalkapazitäten ist das aber nicht zu schaffen, es fehlen 300.000 Techniker“, sagt Schröder. Hinzu kommen hohe Kosten für die Installation der Anlagen – was auch der schlechten Digitalisierung vieler Unternehmen geschuldet sei: „Den Markt teilen sich tausende regionale Familienbetriebe, die man noch per E-Mail für einen Termin kontaktieren muss, auf den man dann Monate wartet.“

Hier setzt Schröder mit seiner Hamburger Firma an. 1Komma5 plant, zum deutschlandweit größten digitalen Vermittler für Installateure und Services rundum Solaranlagen, Energiespeicher und Ladestationen aufzusteigen. „Ich sehe das Potenzial für 250 bis 500 Millionen Euro Umsatz in den nächsten vier Jahren“, rechnet der 37-Jährige vor. Statt bloß eine Terminsoftware für die Betriebe zu schreiben, will das Startup das Knowhow selbst einkaufen. Es erwirbt Mehrheitsbeteiligungen an Fachbetrieben und führt diese in einer großen Holding zusammen. So könnten Prozesse verschlankt, Lieferketten optimiert und Kosten gesenkt werden. Im Gegenzug will Schröder die Mitarbeiter aus den Fachbetrieben an seinem Startup beteiligen.

US-Vorbild bereits mit acht Milliarden Dollar bewertet

Nicht weniger als 100 Millionen Euro will das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren in Übernahmen investieren. Woher das Geld kommt, will Schröder noch nicht sagen. Nur so viel: Mit Krediten, wie sie zuletzt die gehypten Aufkäufer von Amazon-Shops genutzt haben, sollen die Zukäufe nicht finanziert werden.

Neu ist das Geschäftsmodell von 1Komma5 nicht. Das 2011 gegründete Berliner Unternehmen Thermondo etwa verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit Heizkörpern. Der hochfinanzierte Anbieter Enpal fokussiert sich mit seiner Online-Plattform wiederum auf die schnelle Vermittlung von Solaranlagen, was sich mit der Strategie von 1Komma5 deckt. In den USA hat es das Unternehmen Sunrun sogar an die Börse gebracht, ist derzeit knapp acht Milliarden Dollar wert. In Europa gebe es hingegen noch keine vergleichbare Konkurrenz, die alle Produkte aus einer Hand liefern könne, sagt Schröder.

Know-how von Tesla

„Es fehlt ein Unternehmen, auf das etwa ein Konzern wie SAP zugehen und sagen kann: Bitte statte alle meine Gebäude mit Solaranlagen aus und installiere E-Ladesäulen auf den Mitarbeiterparkplätzen“, erklärt Schröder. Derzeit müssten sich Firmen und Privatleute noch mehrere Anbieter zusammensuchen, die unterschiedlich viel kosten und nach jeweils anderen Standards arbeiten. „Diesen Knoten wollen wir lösen.“ Auch deshalb drückt Schröder aufs Tempo. Zum Start seiner Plattform sollen bereits Übernahmen mit „einem halben Dutzend“ Betrieben klar sein.

Die Ankündigungen sind typisch für Philipp Schröder. Der 37-Jährige gilt in der Szene als begnadeter Verkäufer und hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Energiebranche einen Namen gemacht. 2013 berief Elon Musk ihn zum ersten Tesla-Manager in Deutschland, 2015 dann übernahm Schröder für drei Jahre den Chefposten beim Allgäuer Energie-Startup Sonnen, das später vom Ölkonzern Shell gekauft wurde. Auch ein späterer Ausflug als Gründer eines Fintechs mündete im Exit.

Mit 1Komma5 soll nun auf ein weiteres Erfolgsunternehmen in der Welt der Erneuerbaren Energien entstehen. Dafür setzt Schröder auch auf das bewährtes Knowhow früherer Kollegen: Sechs seiner Mitarbeitenden haben zuvor bei Tesla und dem Energie-Startup Sonnen gearbeitet.

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