Deutschen Sparern entgehen jährlich hunderte Milliarden Euro aus nur einem Grund

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Man kann es kaum glauben, wenn man regelmäßig die vielen Schlagzeilen über die vermeintlich großen wirtschaftlichen Probleme liest, aber die Welt ist im letzten Jahr wieder einmal ein ganzes Stück reicher geworden. Das hat der neue Global Wealth Report von Allianz Global Investors gezeigt. Das weltweite Bruttogeldvermögen liegt nun bei unvorstellbaren 169 Billionen Euro.

Auch die Deutschen können sich über ihren Reichtum freuen, aber in einem Aspekt fallen sie ganz schön aus der Reihe und lassen sich das unvorstellbare Summen kosten.

Was die Deutschen anders machen

5.700 Milliarden Euro besitzen die Deutschen an Bruttogeldvermögen, das sind 4,7 % mehr als im Jahr zuvor. Das ist eine Menge Geld, und diese Summe ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass wir sehr fleißig sparen. Im letzten Jahr wurden hierzulande 200 Milliarden Euro aus dem laufenden Einkommen zurückgelegt. Damit sparen die Deutschen ähnlich viel wie der gesamte restliche Euroraum, in dem 250 Milliarden Euro beiseitegelegt wurden.

Wer den Blick auf die Entwicklungen der letzten fünf Jahre wirft, ahnt bereits, wieso die Deutschen solche Unsummen sparen und trotzdem nicht um Längen reicher als viele ihrer Nachbarn sind. In den letzten fünf Jahren war der Geldvermögenszuwachs in den USA zu 75 % auf den Ertrag des Vermögens zurückzuführen, die restlichen 25 % sind dann dementsprechend Sparleistungen. In der Eurozone ist die Zahl ähnlich, dort haben die Geldvermögen einen Rückenwind in Höhe von 68 % in Form von Erträgen erhalten. Bei den Deutschen ist es genau umgekehrt, bei uns geht der allergrößte Teil auf Sparanstrengungen zurück und nur 27 % auf Erträge.

Das liegt logischerweise an nur einem Grund, nämlich dass Deutsche vergleichsweise wenig ertragreiche Anlageformen auswählen und das mit großen Sparanstrengungen kompensieren müssen. Würden Deutsche stärker auf ertragreichere Anlageklassen wie Aktien oder sogar Immobilien setzen, könnten sie entweder gleichen Reichtum mit weniger Sparsummen oder ein viel größeres Vermögen mit den gleichen Summen erreichen.

Diese Daten bestätigen wieder einmal, dass die Angst vor Aktien die Deutschen Hunderte Milliarden Euro, auf langfristige Sicht wahrscheinlich sogar Billionen, kostet. Deswegen ist Deutschland trotz seiner Einkommensstärke auch nur auf Platz 18 im Vermögensvergleich des Global Wealth Report, und liegt damit pro Kopf hinter Frankreich sowie Großbritannien, und quasi gleichauf mit Italien.

Das Resultat ist Konsumverzicht

Die Kapitalmarktskepsis hat für die Deutschen weitreichende Folgen. Die Erträge, die in anderen Ländern üblich sind, stehen hierzulande schlichtweg nicht für den Konsum zur Verfügung. Das bedeutet letztendlich einen massiven Konsumverzicht im Vergleich zu dem, was mit ertragreicheren Anlagen problemlos möglich wäre.

Es ist löblich, dass die Deutschen viel sparen und sie sollten sich auch darüber freuen, dass sie so oder so im internationalen Vergleich wohlhabend sind. Der Verzicht auf umfangreiche Erträge auf das Ersparte ist aber keine Tugend, und man fragt sich, wie viele Jahre Niedrigzinsen noch nötig sind, bis das auch die Deutschen verstehen.

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