Die Deutschen haben laut Studie immer mehr rechtliche Probleme

Obwohl sich die Deutschen offenbar immer öfter wegen rechtlicher Probleme streiten, landen immer weniger Fälle vor Gericht. Der Rechtsschutzversicherer Advocard veröffentlichte am Montag eine Studie, laut der es im Jahr 2016 bundesweit etwa 25,1 Streitfälle pro 100 Einwohner gab. 2014 waren es hochgerechnet noch 22,3 Streitfälle. "In Deutschland kann man heutzutage immer schneller in einen Streit verwickelt werden", erklärte Advocard-Chef Peter Stahl.

Laut einem Advocard-Sprecher werden bereits Kontaktaufnahmen mit der Rechtsschutzversicherung als Streitfälle gezählt. Insgesamt wertete die Versicherung seit 2013 rund 1,7 Millionen Streitfälle aus. Demnach wird in Berlin wie auch schon in den Jahren zuvor mit 31,2 Streitfällen pro 100 Einwohner am meisten gestritten. Es folgen Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Schlusslichter sind Baden-Württemberg und Bayern mit 23,2 beziehungsweise 21,3 Streitfällen.

Unter den Großstädten sind Leipzig, Köln und Berlin mit mehr als 31 Streitfällen pro 100 Einwohnern Spitzenreiter. Zwei Drittel aller Dispute werden laut Advocard von Männern ausgetragen. Damit änderte sich das Verhältnis im Vergleich zu 2014 nicht.

Die häufigsten Probleme tauchen laut Studie im Privatleben auf, wo 40,1 Prozent der Dispute ihren Anfang nehmen. Hier dominieren Scheidungen und Erbstreitigkeiten. Der Straßenverkehr sorgt für 27,9 Prozent der Streitigkeiten, wobei sich die Versicherten am häufigsten wegen Unfällen und Geschwindigkeitsüberschreitungen an die Rechtsschutzversicherung wenden.

Die Arbeit ist Ursache von 13,4 Prozent der rechtlichen Probleme. Hauptsächlich geht es dabei um Fragen der Vergütung. Nachbarschaftsstreit und Unstimmigkeiten bei den Betriebskosten sind die Hauptursachen für Probleme beim Thema Wohnen. Sie sorgen für 11,2 Prozent aller Streitigkeiten. Mit 7,5 Prozent entzünden sich am wenigsten Probleme am Umgang mit Behörden.

Laut Advocard geht es mit 68 Prozent in den meisten Streitfällen um Werte von weniger als 2000 Euro, Anteil steigend. Die meisten Fälle dauern weniger als sechs Monate, allerdings stieg auch der Anteil der Streits, die sich über mehr als ein Jahr zogen.

Während Advocard von immer mehr juristischen Auseinandersetzungen spricht, sank aber die Zahl der Klagen vor Gericht deutlich, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Die Neueingänge bei den Amts- und Landgerichten in Zivilstreitigkeit nahmen zwischen 2003 und 2016 um mehr als 30 Prozent ab.

Auch an den meisten anderen Gerichten sanken die Zahlen in den vergangenen Jahren stark. Eine Advocard-Sprecherin hatte dafür keine Erklärung: "Wir haben in unserer Auswertung keine Daten dazu erhoben", sagte sie.