"Wie sich die Deutschen aufregen können - das ist schon sehr amüsant"

redaktion@spot-on-news.de (hub/spot)
In der Schweiz ist er bereits ein Star: Der Kabarettist Michael Elsener ist mit seinem aktuellen Programm gerade auch in Berlin zu sehen. An Deutschland fasziniert ihn nicht nur Kanzlerin Merkel.

Michael Elsener (32, "Copy & Paste") gilt als ein Shooting-Star der Schweizer Kabarettszene. Mit seinem Programm "Mediengeil" ist er gerade auch hierzulande unterwegs, am 30.11., 1.12. und 2.12. tritt er in Berlin im Kookaburra auf. Es gibt auch "ganz, ganz viele" deutsche Kabarettstars, die der Schweizer bewundert: "Ich mag Rether, von Wagner, Uthoff, König, Altinger, Neumeier, Schneider, Ulan & Bator, Teubner, Hartmann, Fensterbankmarie..." Im Interview mit spot on news verriet er auch, was ihn in Deutschland erstaunt.

Über was wundern Sie sich am meisten, wenn Sie sich in Deutschland aufhalten?

Michael Elsener: Ich wundere mich immer wieder über die deutsche Art sich aufzuregen, sich zu empören. Auch Fremde untereinander. Man sitzt in der Straßenbahn, dann kommt ein Ticketkontrolleur und fragt abends um 18 Uhr etwas unfreundlich nach den Fahrkarten. Wie sich die Leute da jeweils über den Kontrolleur aufregen können und sich gleich untereinander verbünden und dann 'ne Riesen-Szene machen - wegen Nichts. Das ist schon sehr amüsant.

Wo würden Sie mal gerne leben?

Elsener: Ich hab' jeweils schon für kurze Zeit in Mainz, Berlin und Hamburg gelebt. Ich glaube, in Leipzig würde ich auch gerne mal leben.

Wie würden Sie die Schweiz in drei Sätzen erklären?

Elsener: Wir debattieren über jede Gesetzesänderung gefühlte 52 Mal. Das heißt, wir kommen nur in sehr, sehr kleinen Schritten vorwärts. Dafür stolpern wir vielleicht weniger.

Gibt es ein Thema, über das Sie keine Witze machen würden?

Elsener: Ich finde, das kann man nicht so pauschal sagen. Wenn die Haltung des Kabarettisten stimmt, so kann er über jedes Thema reden.

Sie sind gerade mit Ihrem Programm "Mediengeil" auf Tour - auf welche Medien und Apps können Sie auf keinen Fall verzichten?

Elsener: Ich scanne jeden Morgen bei einem ausgedehnten Frühstück die News auf meinem Laptop. Die Aufnahme-App brauche ich ganz viel unterwegs, um mir neue Ideen einzusprechen. Whatsapp hingegen müsste man optimieren: Wenn man sich mit einer Person zu einem Treffen verabredet hat, kann man neu mit der Person ab 3 Stunden davor nicht mehr schreiben. Weil ich finde, kurzfristige Planänderungen über Whatsapp meist nur anstrengend.

Wenn Sie kein Comedian geworden wären, wären Sie jetzt...?

Elsener: Vermutlich wäre ich Journalist geblieben und wäre jetzt arbeitslos. Vielleicht würde ich aber auch in der Karibik eine Surfschule führen.

Angela Merkel oder Donald Trump: Wer regt Ihre Fantasie - rein beruflich - mehr an?

Elsener: Eigentlich keiner der beiden. Beides sind große Figuren der Zeitgeschichte. Von daher beschäftigen sich extrem viele Satiriker mit beiden und daher ist über beide schon fast alles gesagt. Aber Merkel finde ich definitiv faszinierender.

Welche Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne mal treffen?

Elsener: Ich würde mich gerne mit Leuten wie Elon Musk, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg treffen... Die Voraussetzung wäre aber, dass sie grenzenlos ehrlich auf meine Fragen antworten würden.

Foto(s): Philippe Hubler