Deutschen Airbus-Werken droht hundertfacher Jobverlust


Airbus hat nach Informationen des französischen Wirtschaftsmagazins „Challenge“ vor, 3600 Stellen zu verlagern oder zu streichen. Betroffen seien vor allem die Standorte Augsburg und Bremen sowie Sevilla in Spanien und Filton in Großbritannien.

Die Einschnitte seien eine Folge der verringerten Nachfrage nach dem Riesen-Jumbo A380 und der verzögerten Auslieferungen beim Militärtransporter A400M. Das Unternehmen selber wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen, bestätigte aber, dass Gespräche mit dem europäischen Betriebsrat in der kommenden Woche geführt würden.

Sollte es tatsächlich zu den genannten Stellenkürzungen kommen, wäre das ausgesprochen überraschend. Mitte Februar bei der Bilanzpressekonferenz hatte der deutsch-französisch-spanische Flugzeugbauer die Verdreifachung seines Gewinns bekanntgegeben. Airbus-Chef Tom Enders nannte als Ziel für das laufende Jahr, die Auslieferung neuer Flugzeuge von gut 700 im vergangenen Jahr auf 800 zu steigern. Davon sollen rund 600 auf die erfolgreichste Familie A320 entfallen.


Da die Produktionsraten für die A380 bereits in der Vergangenheit stark verringert wurden und die A400M-Stückzahlen quantitativ kaum ins Gewicht fallen, lassen sich Stellenkürzungen in dem genannten Ausmaß mit den beiden Programmen alleine nicht erklären. Zumal Airbus es in der Vergangenheit stets verstanden hat, verringerte Lieferungen bei einem Typ dadurch auszugleichen, dass die betroffenen Mitarbeiter auf andere Programme umgesetzt werden.

Der Hochlauf der Produktion der A320 ist in vollem Gange. Dafür braucht es zusätzliche Kapazitäten. Mitte des kommenden Jahres sollen 60 A320 pro Monat die Montagehallen verlassen. Die Rate für das Großraumflugzeug A350 soll auf zehn Maschinen pro Monat steigen. Enders sprach im Februar davon, dass sogar Überlegungen angestellt würden, die Produktionskapazitäten soweit auszubauen, dass 70 A320 pro Monat hergestellt werden könnten.

Der Konzern erzielte 2017 einen Umsatz von 67 Milliarden Euro. Airbus steht also keineswegs unter einem allgemeinen Zwang, seine Belegschaft abbauen zu müssen. Akute Schwierigkeiten können allenfalls daher rühren, dass es erneut Verzögerungen bei der Lieferung von Motoren für die A320neo gibt. Die Motorenlieferanten Pratt and Whitney und das Joint-Venture zwischen Safran und General Electric kommen ihren Verpflichtungen nicht nach.

Vergangene Woche räumte Safran-Chef Philippe Petitcolin ein, dass man die Probleme mit Turbinenscheiben bei den spritsparenden Leap-Motoren noch nicht ausgestanden habe. Wenn alles gut gehe, werde der Rückstand erst Mitte des Jahres aufgearbeitet sein.

Möglicherweise will Airbus sich bereits jetzt darauf einstellen, das nicht so viele A320neo ausgeliefert werden können wie geplant. Schon heute stehen allein im Werk Toulouse rund 30 Maschinen herum, die bis auf die Motoren fertig gestellt sind.

Im Werk Augsburg fertigt Airbus unter anderem den Rumpf des Kampfflugzeuges Eurofighter. Dessen Produktion wurde bereits in den vergangenen Jahren stark eingeschränkt. Im Februar äußerte sich Enders aber erstmals wieder zuversichtlicher, dass man in den kommenden Monaten möglicherweise neue Exporterfolge verzeichnen könne. Ohnehin sind noch Lieferungen bis 2019 geplant.

Bremen ist von den A400M-Problemen betroffen, weil an diesem Standort Teile des Rumpfes gefertigt werden. Gleichzeitig ist Bremen spezialisiert auf die Herstellung von Flügeln für alle möglichen Programme des Konzerns, so dass hier ein Ausgleich möglich sein müsste.


In den kommenden Jahren werden die europäischen Standorte aber möglicherweise immer mehr darunter leiden, dass sich die weltweite Nachfrage nach China verlagert und Airbus darum bemüht ist, die Produktion an seinem dortigen Standort hochzufahren. In Zukunft wird also eine steigende Nachfrage nach Airbus-Flugzeugen nicht mehr bedeuten, dass auch die Arbeitsplätze in Europa gesichert sind.

„Jegliche verbundene Auswirkungen auf die Beschäftigten werden zunächst mit unseren Sozialpartnern besprochen werden“, sagte ein Airbus-Sprecher. „Und wir sind immer bemüht, die besten Lösungen für unsere Beschäftigten zu finden.“ Das Unternehmen habe gute Erfahrung damit, diese Themen zu handhaben. Einen genauen Termin für das Treffen mit dem europäischen Betriebsrat nannte der Sprecher nicht.