Freimuth und Kazmirek machen Traum wahr

Kai Kazmirek (l.) und Rico Freimuth feiern gemeinsam auf der Ehrenrunde

Rico Freimuth schleppte sich mit letzten Kräften über die Ziellinie und formte das Victory-Zeichen - Platz zwei.

WM-Silber im Zehnkampf. Zwei Jahre nach Bronze in Peking musste sich der 29-Jährige diesmal mit 8564 Punkten nur dem neuen "König der Athleten" Kevin Mayer (8768/Frankreich) geschlagen geben.

Bronze sicherte sich der Olympiavierte Kai Kazmirek (8488/Neuwied). Mit der Deutschland-Fahne um die Schultern ließen sie sich von den Fans ordentlich feiern.

Freimuth und Kazmirek sorgten damit für die dritte und vierte Medaille des deutschen Teams in London. Letztmals standen vor 30 Jahren zwei deutsche Zehnkämpfer auf dem WM-Podium, in Rom holte damals Torsten Voss Gold für die DDR vor Siegfried Wentz (BRD). 

Mayer nicht zu schlagen

Mathias Brugger (Ulm) hatte nach Muskel- und Kniebeschwerden bereits nach vier Disziplinen den Wettbewerb beenden müssen. Weltrekordler, Olympiasieger und Titelverteidiger Ashton Eaton (USA) hatte nach den Spielen in Rio seine Karriere beendet.

"Mayer dürfte nicht mehr zu schlagen sein. Er hat das größte Talent von uns. Das muss man neidlos anerkennen", hatte Freimuth schon nach dem ersten Tag gesagt. Und Recht behalten.

Doch dahinter trumpften auch Freimuth und Kazmirek furios auf, auch kleinere Rückschläge konnte das DLV-Duo auf dem Weg zu Edelmetall nicht aufhalten.

Freimuth hatte 2015 in Peking seine erste internationale Medaille gewonnen - danach fiel er allerdings in ein Loch. Der Körper streikte, 2016 konnte er keinen Zehnkampf beenden, auch bei Olympia in Rio musste er verletzt aufgegeben. Anschließend legte Freimuth eine gut viermonatige Pause ein.  

Auszeit zahlt sich aus

"Mein Körper brauchte diese Auszeit unbedingt", sagte Freimuth vor der WM. Und meldete sich in dieser Saison stärker denn je zurück.

Keine Frage, Freimuth wollte wieder auf das Treppchen. "Alles ist möglich", hatte der Hallenser gesagt, das Seuchenjahr 2016 machte ihn mental nur noch stärker.

Es gehe darum, sich so zu motivieren, dass "du dich im Kopf für den Geilsten hältst. Es geht um diesen extremen Zustand", sagte Freimuth, dessen Vater Uwe mit 8792 Punkten immer noch der zweitbeste deutsche Zehnkämpfer der Geschichte ist: "Ich fühle mich gut und bin für alle Fälle gewappnet." Nur für Mayer, den neuen König der Athleten, reichte es dann doch nicht.