Deutsche Wissenschaftler wollen Gemüse am Südpol anbauen

DLR-Experte Zabel mit Modell des Gewächshausmoduls

Frische Erdbeeren und Tomaten für die Antarktis: Ein Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus Bremen will den Anbau von Gemüse für Weltraummissionen bei einem Testlauf auf der Polarstation Neumayer III erforschen. Am Dienstag stellten sich die Experten in der Hansestadt letztmalig vor ihrer Abreise der Öffentlichkeit. Ihr Gewächshauscontainer ist schon unterwegs.

Das zuvor in Bremen ausführlich getestete Eden-ISS-Modul soll im Dezember per Schiff an der vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Antarktisstation eintreffen und dort etwa ein Jahr lang betrieben werden. Ziel ist es, autarke Systeme zur Pflanzenzucht mit Kunstlicht und Spezialnährlösungen zu entwickeln, die bei Raummissionen eingesetzt werden könnten.

Der Bremer DLR-Wissenschaftler Paul Zabel wird auf der Station überwintern und den Betrieb des Eden-ISS-Gewächshauscontainers vor Ort betreuen. Er und die anderen Teammitglieder sollen etwa um die Weihnachtszeit im Dezember vor Ort eintreffen. Es handelt sich um ein Projekt der Europäischen Union, an dem führende Forscher verschiedener europäischer Länder sowie Kanadas beteiligt sind.

Laut DLR geht es um "Schlüsseltechnologien für Gewächshäuser im Weltraum", zugleich sollen aber auch Erkenntnisse zum Anbau unter kontrollierten Bedingungen in geschlossenen Kreisläufen auf der Erde gewonnen werden. Zu den Herausforderungen gehören dabei unter anderem die Wasseraufbereitung und der Umgang mit Abfall. Bestandteil des Projekts ist auch die Erforschung der psychischen Effekte frischer Lebensmittel auf die Besatzung.

Der mobile Gewächshauscontainer ist etwa sechs Meter lang und enthält das sogenannte Future Exploration Greenhouse, die nötige Technik sowie ein kleineres Forschungsmodul, das später auf der internationalen Raumstation ISS unter realen Bedingungen im Weltall getestet werden könnte. Das Budget des Projekts liegt bei viereinhalb Millionen Euro. Die Planungen begannen 2015, der Testlauf in der Antarktis markiert die Schlussphase.