Deutsche Wirtschaft fürchtet Einbußen durch Unruhen in Südafrika

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JOHANNESBURG (dpa-AFX) - Die gewalttätigen Proteste und Plünderungen in Teilen von Südafrika bedrohen nach Ansicht der dortigen Handelskammer die Lieferketten der am Kap ansässigen deutschen Unternehmen. Vor allem die tagelange Schließung des für den Kontinent strategisch wichtigen Hafens von Durban und die von dort ins Industriegebiet um Johannesburg führende Autobahn N3 bereiten demnach Sorgen. Matthias Boddenberg von der Auslands-Handelskammer für das Südliche Afrika hält Schätzungen des südafrikanischen Wirtschaftsprofessors Bonke Dumisa für realistisch, wonach pro Stunde gesperrter Autobahn ein volkswirtschaftlicher Schaden von einer Million Rand (rund 58 000 Euro) entsteht.

Obwohl konkrete Zahlen noch nicht vorliegen meinte er vor allem mit Blick auf die komplizierten just-in-time-Lieferketten vieler Betriebe: "Das wird sich sicherlich sehr schnell negativ in der Statistik niederschlagen; ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie lange uns der Rückstau noch beschäftigen wird." Nach seinen Angaben sind knapp 500 Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen in Südafrika tätig - darunter neben den großen Automobilherstellern BMW <DE0005190003>, Mercedes und Volkswagen <DE0007664039> auch Zulieferer wie Continental <DE0005439004>, Bosch oder mittelständische Werkzeughersteller. Hinzu kommen etwa 300 Firmen, die von Deutschen im Land selbst gegründet wurden.

Die regionale Siemens <DE0007236101>-Chefin Sabine Dall'Omo sieht den Schaden für ihr Unternehmen bisher noch als begrenzt an. "Kritische Komponenten fliegen wir ohnehin ein", erklärte sie. Sollte die Schließung des Hafens in Durban jedoch länger anhalten, kämen gegebenenfalls auch Alternativen über Kapstadt oder die Ostkap-Provinz ins Spiel.

Südafrika hat auch große Bedeutung für Anrainerstaaten. In Namibia etwa berichten Manager über Absagen von zugesagten Lieferungen. "Die ersten Lieferungen bleiben aus, weil Lastwagen angezündet und Lagerbestände geplündert wurden - oder Firmen ihre Lager geschlossen lassen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen", berichtet Hendrik Röschlau, Geschäftsführender Direktor des namibischen Lebensmittelimporteurs African Marketing. Südafrika hat unter anderem eine exportstarke Zitrus-Industrie, die auch Europa beliefert.

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