Deutsche Unternehmen investieren trotz der schlechten wirtschaftlichen Situation in der Türkei

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Hafen von Ambarli befindet sich am Nordufer des Marmarameeres. Der Ambarli Hafenkomplex ist 34 Kilometer von Istanbul entfernt.
Hafen von Ambarli befindet sich am Nordufer des Marmarameeres. Der Ambarli Hafenkomplex ist 34 Kilometer von Istanbul entfernt.

Die türkische Wirtschaft ist schwer angeschlagen — und doch gehört Deutschland gehört zu den Länden, die am meisten Direktinvestitionen in der Türkei tätigen. Derzeit sind rund 7.500 deutsche Unternehmen in der Türkei aktiv. Das Investitionsvolumen deutscher Unternehmen in der Türkei beläuft sich auf 14,5 Milliarden US-Dollar. Der Großteil dieser Investitionen sind langfristige Neuinvestitionen.

Deutschland ist mit 1,4 Milliarden US-Dollar im Mai 2021 das Top-Exportziel der Türkei, gefolgt von den USA und Großbritannien. Die türkischen Exporte erreichten ein Volumen von 16,5 Milliarden US-Dollar, ganz oben an der Spitze finden sich der Chemiesektor und die Automobilindustrie.

Die Türkei ist deshalb so lukrativ für ausländische Unternehmen, weil sie Subventionen in wichtigen strategischen Branchen gewährt. So können Unternehmen, je nach Projektbeschaffenheit, von mehreren Subventionen wie Steuer- und Abgabenermäßigungen oder Befreiungen, kostenlose Zuteilung von Grundstücken, Infrastrukturbeihilfen, Zuschüssem für qualifiziertes Personal und der Übernahme der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung der Arbeitnehmer profitieren.

Außerdem können staatliche Zuschüsse zu den Energie- und Kreditkosten über einen Zeitraum von zehn Jahren beansprucht werden. Durch die geografische Nähe zur EU gewinnt die Türkei für deutsche Firmen auch als Beschaffungsmarkt und Produktionsstandort an Bedeutung.

Diese deutschen Unternehmen investieren in der Türkei

Die Mercedes-Benz Türk betreibt ein Buswerk in İstanbul und verfügt über eine LKW Fabrik in Aksaray. Im Mai 2017 wurde im Aksaray das zweite Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes Benz Türk mit einer zusätzlichen Investition von 8,4 Millionen Euro eingerichtet.

Das deutsche Unternehmen Henkel produziert seit 1963 in Gebze, bei İstanbul. An drei Produktionsstandorten beschäftigt Henkel 750 Mitarbeiter.

Die deutsche Bosch Gruppe hat insgesamt fünf Tochtergesellschaften in der Türkei und beschäftigt landesweit rund 17.500 Mitarbeiter.

Seit knapp 40 Jahren ist die Deutsche Post in der Türkei aktiv und hat seither große Summen in den Markt vor Ort investiert. Die Deutsche Post DHL Group plant eine Investition in Höhe von 135 Millionen Euro für den Bau eines hochmodernen Betriebszentrums am neuen Flughafen Istanbul. Damit sollen wachsende Bedarfe gedeckt und die Marktposition weiter gestärkt werden.

Im Jahr 2017 hat sich Siemens einen milliardenschweren Großauftrag für ein Windenergieprojekt in der Türkei gesichert. Die türkische Staatsbahn und Siemens haben im April 2018 einen Vertrag über zehn Hochgeschwindigkeitszüge abgeschlossen. Diese Aufträge reihen sich ein in eine Vielzahl von Verflechtungen zwischen dem Technologiekonzern und der Türkei. Insgesamt arbeiten mehr als 3000 Mitarbeiter in der Türkei für Siemens.

Umfrage: Deutsche Unternehmen sind zufrieden

Obwohl die Corona-Pandemie noch nicht überstanden ist, profitieren deutsche Unternehmen in der Türkei vom globalen wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem ist es den Unternehmen gelungen, sich an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen und verbesserte Schutzmaßnahmen gegen die wirtschaftlichen als auch gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken der Pandemie zu treffen.

Laut einer repräsentativen Umfrage der Deutsch-Türkischen Handelskammer in Istanbul (AHK) wird die gegenwärtige geschäftliche Lage von 69 Prozent der Befragten als gut eingestuft. Nur 2 Prozent schätzen die Geschäftssituation aktuell als schlecht ein. Auch in Bezug auf die geschäftliche Entwicklung gehen 37 Prozent der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate von einem positiven Verlauf und 58 Prozent von einem gleichbleibenden Niveau aus. Nur 6 Prozent geben einen negativen Ausblick.

Aber: die Wechselkurs-Entwicklung der türkischen Lira birgt weiterhin das größte Risiko, so die Einschätzung von mittlerweile 86 Prozent der Unternehmen. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind für 67 Prozent der Unternehmen nach wie vor ein bedeutender Risikofaktor im Zusammenhang mit der geschäftlichen Entwicklung. Beide Werte sind im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Herbst 2020 nochmals deutlich angestiegen.

Der Präsident der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer, Dr. Markus C. Slevogt, zieht folgenden Schluss aus der aktuellen Umfrage: „Unsere Mitglieder profitieren vom wirtschaftlichen Aufschwung. Trotz erschwerter Marktbegebenheiten haben Unternehmen wahres Durchhaltevermögen bewiesen, sich an die neuen Rahmenbedingungen angepasst und neue Geschäftsmöglichkeiten erschlossen. Dennoch stellen nach wie vor makroökonomische Rahmenbedingungen ein Risiko für die weitere wirtschaftliche und geschäftliche Entwicklung dar."

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