Deutsche Telekom legt neues Angebot für Sprint vor


Eine Fusion zwischen der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem Rivalen Sprint könnte eventuell doch noch klappen. Am Mittwoch tagte der Verwaltungsrat von T-Mobile US in New York und segnete nach Informationen des Handelsblatt ein neues Angebot von der Deutschen Telekom für eine Fusion mit dem Konkurrenten Sprint ab.

Details zum Angebot waren nicht zu erfahren. Am gestrigen Donnerstag tagten die Aufseher von Sprint, um die Offerte zu bewerten. Laut dem „Wall Street Journal“ telefonierten T-Mobile-Chef John Legere und Sprint-Chef Marcelo Claure am Mittwoch. Legere soll sich dabei für die Fusion eingesetzt haben.


Vorausgegangen waren turbulente Tage. Sprint-Mutter Softbank hatte am vergangenen Wochenende den Daumen über einem Fusionsangebot der Telekom gesenkt. Softbank-Chef Masayoshi Son wollte mehr Kontrolle. Laut Finanzdienst Bloomberg will Son die Austauschratio von 9 auf 8 Sprint-Aktien für eine von T-Mobile US gesenkt sehen.

Eine Fusion hätte große Ausmaße: T-Mobile, die Nummer Drei im US-Mobilfunkmarkt, ist an der Börse fast 50 Milliarden Dollar wert. Sprint, die Nummer Vier, bringt es auf knapp 26 Milliarden Dollar.

Der Bericht im „Wall Street Journal“ schob den Aktienkurs von Sprint nachbörslich um fünf Prozent an, T-Mobile legte um drei Prozent zu.

KONTEXT

Die Deutsche Telekom in den USA

Der Einstieg in den US-Markt

Im Jahr 2000 kaufte die Deutsche Telekom mit Ron Sommer an der Spitze den US-Telekommunikationsanbieter Voicestream für rund 50 Milliarden Dollar - umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro.

Kritik der Aktionäre

Dabei schrieb der Mobilfunker zu diesem Zeitpunkt Verluste. Doch die Bonner erhoffen sich, dass der Mobilfunkmarkt in den USA stark wachsen werde. Die Aktionäre teilten diese Hoffnung nicht, sie hielten den Preis für zu hoch. Der Wert der Aktie fiel um zwölf Prozent.

Schwierige Jahre

Die Sorgen der Aktionäre sollte sich als richtig erweisen: Die Deutsche Telekom korrigierte zwei Jahre später den Wert der neuen Tochter um fast 20 Milliarden Euro nach unten. Lange versuchte die Telekom, die Tochter loszuwerden.

Glück im Unglück

2011 wollte der größte amerikanische Wettbewerber AT & T die glücklose Tochter der Telekom für angeblich fast 40 Milliarden Euro übernehmen. Die Wettbewerbsbehörden klagten jedoch dagegen, woraufhin sich AT & T zurückzog. Der Konzern zahlte der Telekom daraufhin drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr und überschrieb T-Mobile US einen Teil seiner Mobilfunkfrequenzen.

Mit neuer Kraft

Mit Hilfe der drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr verbesserte die Telekom-Tochter unter anderem ihre Infrastruktur und übernahm 2012 den Mobilfunkanbieter mit MetroPCS. 2013 ging das Unternehmen an die Börse. Weil sich die Tochter nun alleine an frisches Geld kommt, kann sich die Telekom aus der Finanzierung teilweise zurückziehen. Dafür lässt sie ihren Anteil verwässern.

Neuer Chef, neue Strategie

Nach der missglückten Übernahme wurde fast die gesamte Führungsspitze von T-Mobile US ausgetauscht. Neuer Chef wird John Legere, ein bis dahin mehrheitlich unbekannter CEO aus der Telekommunikationsindustrie. Er entwickelt mit seinem neuen Führungsteam die "Un-Carrier"-Strategie: Er will alles das anders machen, was die Kunden an ihrem Telekommunikationsanbieter (Carrier) stört. Der Plan zieht.

Erfolg macht sexy

2014 wurde bekannt, dass die Telekom offenbar bereit sei ihre Anteile an den japanischen Konzern Softbank zu verkaufen. Der ist mit seiner Tochter Sprint der nächste Wettbewerber von T-Mobile US. Berichten wollte der Konzern 24 Milliarden Dollar dafür zahlen. Wenige Monate später wurde das Vorhaben eingestellt, weil die Unternehmen davon ausgingen, dass sie keine Genehmigung für den Zusammenschluss

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Unter Führung von John Legere wandelte sich das Unternehmen, wächst stark und ist mit mehr als 70 Millionen Kunden die Nummer 3 im Markt. Damit hat es den Wettbewerber Sprint überholt. Das Unternehmen ist profitabel und steigert bisher kontinuierlich Umsatz und Marge. T-Mobile US ist der einzige Bereich innerhalb der Telekom, der stark wächst.

Neuer Versuch

Schon länger verhandeln Softbank und Telekom wieder über einen Zusammenschluss. Nur sollen nach Informationen des Handelsblatts die Bonner danach die Mehrheit halten. Beide Konzerne wollten die Gespräche bisher nicht bestätigen, erklärten aber, eine Fusion könnte Synergien von mehr als 30 Milliarden Dollar schaffen. Allerdings müssen sie auch die Kartellbehörden von dem Zusammenschluss überzeugen

Macht Erfolg einsam?

Das Argument von Wettbewerbsbehörden gegen die Konsolidierung des Marktes ist Verbraucherschutz: Je mehr Unternehmen miteinander konkurrieren, desto eher werden sie versuchen sich mit Innovationen voneinander abzugrenzen oder die Preise senken. Gerade weil sich T-Mobile US als Innovationsführer und Preisbrecher aufstellt, sorgen sich die Behörden, weil es den Interessen der Kunden schaden könnte