Dieser deutsche Stahlkonzern setzt trotz Strafzöllen weiter auf das US-Geschäft

Der Stahlhersteller Saarstahl betreibt ein Vertriebsbüro in den USA. Daran will er auch nach Inkrafttreten der US-Strafzölle festhalten.

Der saarländische Stahlhersteller Saarstahl blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Und das nicht nur, weil der Konzern nach einem verlustreichen Jahr 2016 zuletzt endlich wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist: Das Ebit (also das Ergebnis vor Steuern und Zinsen) stieg von minus 155 Millionen Euro im Vorjahr auf plus 110 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017.

Hinzu kommt: Trotz der bevorstehenden US-Zölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium rechnet der Konzern damit, sein Geschäft in den USA auf einem auskömmlichen Niveau zu halten. Mit größeren Umsatzeinbrüchen infolge der Handelsbeschränkungen rechnet Vertriebsvorstand Klaus Richter nicht, erklärte er auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens am Dienstag.

Hinter dem Optimismus des Managers steckt eine einfache Rechnung: Von den 100.000 Tonnen Stahl, die sein Konzern derzeit pro Jahr an rund 30 US-Kunden liefert, werden nach bisherigem Kenntnisstand mittelfristig mindestens 75 Prozent auch weiterhin in die USA geliefert werden – dann eben zu einem höheren Preis.


„Wir haben unsere US-Kunden bereits angeschrieben, als die Diskussion noch im Gange war“, so Richter. Zwei Drittel der Kunden hätten bereits bestätigt, dass sie weiterhin bei Saarstahl bestellen wollen. Zusammen sind diese Abnehmer bei Saarstahl für 75.000 Tonnen exportiertem Stahl pro Jahr verantwortlich.

Lediglich fünf haben ihre Bestellungen für die Zukunft zurückgezogen, mit den anderen befindet sich Saarstahl im Gespräch. „Wir reden hier von Produkten, die auf dem US-Markt nicht hergestellt werden können“, erklärte Richter. „Die Zusatzkosten durch die Zölle müssen dann unsere Kunden tragen.“

Langfristig werde die Exportmenge in die USA für Saarstahl infolge der Zölle womöglich auf 50.000 Tonnen pro Jahr schrumpfen, wenn die US-Hersteller ihre Kapazitäten entsprechend ausbauen. Ob das tatsächlich passiert, ist allerdings fraglich.

So rechnet etwa Nicole Voigt, Stahlexpertin und Partnerin bei der Strategieberatung Boston Consulting vor: „Wenn ein Unternehmen beschließt, ein Stahlwerk zu bauen, gibt es einen Planungshorizont von zehn bis 15 Jahren.“ Trump ist allerdings im Höchstfall noch sieben Jahre im Amt – das macht größere Investitionen zu einem unkalkulierbaren Risiko.


Die Gelassenheit des Saarstahl-Managers entspricht der Haltung vieler deutscher Hersteller, die davon ausgehen, dass der US-Stahlmarkt seine Nachfrage auf absehbare Zeit nicht aus eigener Kraft wird stillen können. Derzeit importieren die USA rund 35 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Voigt gibt zu bedenken: „Die europäischen und japanischen Hersteller haben Produkte im Sortiment, die in den USA nicht produziert werden.“

So erklärte auch Henrik Adam, Vertriebsvorstand bei Tata Steel, bei der Handelsblatt-Stahltagung Anfang März: „Wir pflegen seit 50 Jahren Kundenbeziehungen in die USA.“ Wenn diese Kunden ihren Stahl auch bei US-Herstellern hätten kaufen können, wären sie gar nicht erst auf Tata zugekommen, so seine Einschätzung.

Als größte Gefahr der Zölle sehen die Hersteller daher auch weniger einen Absatzrückgang in den USA als vielmehr verstärkte Konkurrenz aus anderen Ländern, die bisher zu den Lieferanten des US-Markts zählen.

Am Freitag sollen die Zölle in Kraft treten. Der Stahlverband Eurofer schätzt, dass die in die EU importierte Menge Stahl pro Jahr um 13 Millionen Tonnen anwachsen könnte, wenn die EU nicht selbst auch zu Schutzmaßnahmen greift.