Ist die Deutsche Post jetzt ein Kauf?

Christof Welzel, Motley Fool Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Ein StreetScooter der Deutschen Post DHL Group faehrt am 29.06.17 durch Berlin.

Die Aktie der Deutschen Post (WKN: 555200) ist seit Januar stärker gefallen. Aber was sind die Gründe hierfür und ist sie jetzt vielleicht sogar ein Kauf? Dies wirst du jetzt erfahren.

Fallen die Gewinne, fällt der Kurs

Wenn es ein Börsengesetz gibt, dann ist es dieses: Stellen sich bei einem Unternehmen sinkende Gewinne ein, dann fällt auch der Kurs. Dabei werden langfristige Perspektiven meist außer Acht gelassen. Dies führt oft dazu, dass der Markt als irrational bezeichnet wird. Andere Anleger denken hingegen, der Markt sei effizient.

Dabei stimmt beides: Der Markt ist hocheffizient bei der Einpreisung der aktuellen Gewinne und Nachrichten, aber er kann nicht zehn Jahre in die Zukunft schauen. Deshalb ist er auch irrational und es kommt häufig zu Übertreibungen bei der Gewinneinpreisung.

Ein schönes Beispiel ist die Deutsche Post

So senkte der Konzern seine Prognose insgesamt und für das Segment Post, E-Commerce, Parcel für 2018. Einige Händler haben es schon früher vermutet und so fiel der Kurs. Dabei soll der operative Gewinn bis 2020 mit über 5 Mrd. Euro wieder ein neues Hoch erreichen. Die zusätzlichen Kosten in 2018 wurden bewusst in Kauf genommen, um später noch höhere Gewinne erzielen zu können.

Ein langfristig denkender Investor kann sich also freuen, wenn die Aktie aufgrund einer Senkung der Prognose für den operativen Gewinn 2018 von 4,15 auf 3,2 Mrd. Euro fällt. Im Vergleich zum Vorjahr (3,7 Mrd. Euro) wäre es nur ein Rückgang um 13,5 %.

Gründe für den Gewinnrückgang

Ein Grund ist die Umstellung der Rechnungslegung auf den Leasingbilanzstandard IFRS 16. Dadurch steigen die Schulden, aber auch die Kosten. In der Realität waren die Schulden und Kosten aber auch schon vorher vorhanden, der Markt konnte sie nur aufgrund der Rechnungslegung nicht wahrnehmen.

Der hierdurch höhere Zinsaufwand wird sich zukünftig wieder reduzieren.

Klar ist, das Briefgeschäft geht zurück. Dies war aber auch schon über die vergangenen Jahre der Fall und wird durch andere Bereiche kompensiert.

Dafür profitiert die Deutsche Post umso mehr vom boomenden Onlinehandel. Egal auf welcher Webseite der Kunde bestellt, meistens wird das Paket durch die Deutsche Post geliefert. Und überlege einmal, wie viele große Unternehmen es in diesem Bereich gibt: Amazon (WKN: 906866), Zalando (WKN: ZAL111), eBay (WKN: 916529) oder der Otto Versand sind nur einige, aber auch fast jeder andere Einzelhändler verkauft heute schon über eine Webseite.

Dennoch sind zuletzt die Kosten im Paketgeschäft, durch höhere Löhne, gestiegen. Im Oktober klettern sie noch einmal um 3 %. Die Personalkosten sind hier ein großer Posten und so sank der operative Gewinn der Sparte Post, E-Commerce, Parcel im 1. Quartal um 9,9 %. Natürlich können die Preise angehoben werden, aber dabei muss der Konzern immer die Konkurrenz im Blick behalten. Zugleich wird derzeit auch Personal abgebaut und so die Ausgaben wieder gesenkt.

Um Kostensenkungen zu realisieren und effizienter zu werden, muss und will die Post jetzt etwa 100 bis 150 Mio. Euro pro Jahr investieren. Daraus sollen sich später Einsparungen in Höhe von 150 bis 250 Mio. Euro ergeben. Auch hieran erkennst du wieder die Kurzfristprobleme in Kombination mit der Langfristperspektive und wie sich hieraus Kurs- und Bewertungsschwankungen ergeben.

In Summe siehst du, dass manche Probleme schon länger bestehen und gelegentliche Gewinnrückgänge bei diesem Geschäft normal sind. Führt dies aber jetzt zu einer Unterbewertung? Lass uns nachschauen.

Das Geschäft & die Aktie

Die Aktie der Deutschen Post ist auf lange Sicht kein Dauerinvestment und das Unternehmen nicht überdurchschnittlich. Ab dem Jahr 2000 gerechnet, schnitt sie schlechter als der DAX ab.

Klar ist auch, dass das Geschäft stärker von der Konjunktur abhängig ist, denn zum Großteil ist die Deutsche Post auch ein Logistikkonzern. Sinkt die wirtschaftliche Aktivität, wird auch weniger transportiert. Deshalb sind hier Gewinn- und Kurseinbrüche normal.

Die Nettomarge liegt im Schnitt der letzten zehn Jahre bei nur 2,9 %. Daran kannst du erkennen, dass nicht viel Spielraum besteht und Verluste schnell möglich sind. Die Gesamtkapitalrendite ist dagegen, mit durchschnittlich 5,2 %, gut. Beachtenswert ist auch, dass der Gewinnanstieg der letzten zehn Jahre fast ausschließlich über Kostensenkungen erzielt wurde, denn der Umsatz hat sich nur leicht verbessert.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Umsatz in Mio. Euro 55.927 47.373 51.388 52.829 55.512 54.912 56.630 59.230 57.334 60.444
Gewinn in Mio. Euro -1.979 693 2.630 1.266 1.762 2.211 2.177 1.719 2.781 2.853
Eigenkapitalquote in % 3,0 23,5 27,8 28,7 26,6 27,8 34,8 39,6 29,0 32,7
Nettomarge in % -3,5 1,5 5,1 2,4 3,2 4,0 3,8 2,9 4,9 4,7
Gesamtkapitalrendite in % -0,8 2,0 7,0 3,3 5,2 6,2 8,1 6,2 7,3 7,4

Quelle: Geschäftsberichte und eigene Berechnungen

Fazit

Für dieses Jahr liegt die Dividendenrendite bei 4,22 %. Dies ist sehr hoch. Dabei musst du aber auch beachten, dass sie in Krisen oft gekürzt wird. Dies zeigt die Dividendenhistorie der Deutschen Post.

Die Aktie hat schön korrigiert. Ich denke, vorher war sie aber auch schon überbewertet. Ist sie nun ein Kauf? Meiner Meinung nach ist sie aktuell etwa fair bewertet, also weder über- noch unterbewertet. Zumindest ist sie jetzt also nicht mehr zu teuer, aber streng nach Regel kein Kauf, weil der Value-Investor auch immer eine Sicherheitsmarge benötigt. Diese wäre gegeben, wenn die Aktie deutlich unter dem inneren Wert liegen würde.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon. The Motley Fool empfiehlt eBay und Zalando.

Motley Fool Deutschland 2018