Deutsche Jamaika-Trainerin degradiert: “Nie so gedemütigt worden”

Das jamaikanische Bob-Team ist in Pyeongchang krasser Außenseiter. Bisher war Trainerin Sandra Kiriasis mit Herz und Seele dabei. Sie wurde nun aber ausgeschlossen und steht vor einem Trümmerhaufen.

Sandra Kiriasis betreute das jamaikanische Bob-Team. (Bild: Getty Images)

“Ich bin noch nie in meinem Leben so gedemütigt und verletzt worden”, wird Kiriasis von der SportBild zitiert. Die 43-jährige Bob-Trainerin fuhr mit dem jamaikanischen Team nach Pyeongchang.

Dort galt sie eigentlich als entscheidend für einen möglichen Triumph, doch der jamaikanische Verband verbot ihr den Kontakt zu den Sportlern. Sie sei “eine Wand” zwischen den Fahrerinnen.

Kiriasis plötzlich ohne Unterkunft

So wurden Kiriasis eine für ihren Job als Trainerin wichtige Privilegien entzogen: “In einer Rennsportart geht das nicht: Es ist gefährlich, wenn sie Anweisungen nicht direkt bekommen, sondern von Leuten, die diese gar nicht richtig verstehen.”

Dementsprechend lehnte die Deutsche das Angebot Jamaikas ab – nun steht sie mit leeren Händen da. Die Akkreditierung für das Olympische Dorf wurde ihr entzogen, zuletzt schlief sie in einer Unterkunft des TV-Senders Eurosport.

“Es flossen viele Tränen”

Woher der plötzliche Wandel kommt, ist für die Trainerin nicht klar. Trotz mehrfacher Nachfragen habe sie keine Antwort bekommen. Als sie sich bei den Fahrerinnen Jamaikas meldete, dementierten diese jede Art von Streit oder Missfallen.

“Das war für mich wahnsinnig emotional und es flossen viele Tränen”, sagt Kiriasis. Sie vermutet: “Die Art und Weise, wie alles geschieht, ist sehr, sehr übel. […] Sie wollen mich brechen.”

Kiriasis fordert 20.000 Euro zurück

Doch gebrochen ist die deutsche Trainerin bei weitem nicht. Sie will nun einen Teil ihrer privaten Investitionen in das jamaikanische Team zurück. Es geht um rund 50.000 Euro, von denen Kiriasis 20.000 zurückfordert.

“Wenn sie mich so behandeln, dann möchte ich für mein Material und meine Arbeit entlohnt werden, oder, wenn sie das nicht machen, dann dürfen sie es nicht benutzen. Ich will hier nicht finanziell profitieren, aber wenn man meine Ehre so beschmutzt und meinen Namen so in den Dreck zieht, dann nehme ich das nicht einfach so hin”, stellt sie klar.


Drohungen über Social Media

Diese ehrlichen Worte haben ihr manche Drohung per Social Media und damit eine fast schlaflose Nacht eingebracht: “Bei jedem Geräusch schreckte ich hoch. Am Ende habe ich vielleicht anderthalb Stunden geschlafen.“

Manche Gerüchte deuten auf den Hintergrund der Handlungen Jamaikas hin. Offenbar will der Verband die Britin Nicola Minichiello als neue Trainerin verpflichten. Dann wäre für Kiriasis kein Platz mehr.