Irakisches Gericht verurteilt Deutsche wegen IS-Mitgliedschaft zum Tode

Irakische Streitkräfte im Kampf gegen den IS

Ein irakisches Gericht hat eine Deutsche wegen Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zum Tode verurteilt. Bei der Frau handelt es sich laut einem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" vom Sonntag um eine aus Mannheim stammende Deutsch-Marokkanerin namens Lamia K. Ein Gerichtssprecher in Bagdad sagte, sie habe "logistische Unterstützung und Hilfe für die Terrorgruppe geleistet, um Verbrechen zu verüben".

Die Frau wurde von einem für Terrorismus zuständigen Strafgericht in Bagdad zum Tod durch Erhängen verurteilt. Sie hat 30 Tage Zeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Es handelt sich um das erste Todesurteil, das die irakische Justiz gegen eine europäische Frau verhängt.

"Die Beschuldigte hat während der Vernehmungen zugegeben, Deutschland in Richtung Syrien und anschließend den Irak verlassen zu haben, um sich dem IS mit ihren beiden Töchtern anzuschließen", erklärte der Gerichtssprecher. Die Töchter hätten Mitglieder des IS geheiratet. Nach Angaben aus Justizkreisen wurde eine der Töchter später getötet, als sie sich bei der Miliz aufhielt.

Genaue Angaben zur Identität der zum Tode verurteilten Frau machte die irakische Justiz zunächst nicht. Laut dem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" handelt es sich bei ihr um Lamia K. aus dem baden-württembergischen Mannheim. Sie sei im Juli des vergangenen Jahres zusammen mit weiteren Deutschen in der irakischen Stadt Mossul von irakischen Truppen festgenommen und in die Hauptstadt Bagdad gebracht worden.

Unter den Festgenommenen waren damals auch Lamia K.s Tochter Nadia mit einem Kind sowie die deutschen Frauen Fatima M. aus Detmold in Nordrhein-Westfalen und die Schülerin Linda W. aus dem sächsischen Pulsnitz.

Alle deutschen Frauen wurden laut dem Medienbericht auch durch Beamte des Bundeskriminalamtes und des Bundesnachrichtendienstes in Bagdad vernommen. Dabei habe sich gezeigt, dass Lamia K. wohl eine höhere Stellung in den Rängen der Terrormiliz eingenommen haben könnte. Das Todesurteil gegen die Deutsche fiel laut dem Bericht bereits am vergangenen Donnerstag.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin wollte sich zu dem Urteil auf Anfrage der AFP zunächst nicht äußern. Er verwies lediglich darauf, dass die Haltung der Bundesregierung zur Todesstrafe bekannt sei. Deutschland lehnt die Todesstrafe ab.

Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde das Auswärtige Amt bereits in der vergangenen Woche über den Fall informiert. Der deutsche Botschafter in Bagdad habe daraufhin in der Europaabteilung des irakischen Außenministeriums seinen Protest zum Ausdruck gebracht.

Bereits im September hatte ein irakisches Gericht einen Russen zum Tod durch Erhängen verurteilt, nachdem dieser für schuldig befunden worden war, für den IS gekämpft zu haben.

Die irakischen Behörden teilten bislang nicht offiziell mit, wie viele Dschihadisten sie während ihrer Offensive gegen den IS im vergangenen Jahr gefangen genommen haben. Nach Angaben irakischer Kommandeure und kurdischer Soldaten sollen sich hunderte Dschihadisten ergeben haben.