Deutsche Industrie unter Volldampf

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gibt sich zum Jahresauftakt optimistisch wie selten. Deutschland sei „auf dem Weg in die Hochkonjunktur“. Doch er gibt auch kritische Ratschläge für die neue Regierung.


Wenn der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) optimistisch in die Zukunft schaut, folgt dem Optimismus meist sehr rasch ein großes Aber: Es werden wirtschaftliche Risiken und geopolitische Unsicherheiten aufgelistet. Am Ende steht dann regelmäßig der Appell an die jeweilige Bundesregierung, es mit dem Umverteilen nicht zu übertreiben. Oft nehmen dann die Bedenken mehr Raum ein als der Optimismus.

In diesem Jahr ist es umgekehrt. BDI-Präsident Dieter Kempf ist bei Pressekonferenz zum Jahresauftakt fast durchgehend sehr positiv gestimmt. Man befinde sich „auf dem Weg in die Hochkonjunktur“, sagt Kempf. Der BDI rechne in diesem Jahr mit einem Wachstum von 2,25 Prozent. Der Aufschwung sei „nachhaltig und robust“, sagt Kempf. Vor allem der Motor Außenhandel treibe die Konjunktur. Kempf rechnet in diesem Jahr mit einem Export-Plus von fünf Prozent. Bei den Bruttoanlageinvestitionen prognostiziert er ein Wachstum von 4,5 Prozent.

Der BDI-Präsident stellt in Aussicht, dass in diesem Jahr mehrere hunderttausend Arbeitsplätze neu entstehen. Hier kommt Kempf allerdings auch auf eines der wenigen Probleme zu sprechen, das die Wirtschaft bedrückt: Die Industrie suche händeringend nach Fachleuten, es falle zunehmend schwer, die richtigen Leute zu finden, sagt er. Eine künftige Bundesregierung müsse das Geld dort ausgeben, wo sich Wachstumspotenziale heben und Arbeitsplätze sichern und neue schaffen ließen, sagt Kempf und nennt ein Beispiel: „Der Ausbau der digitalen Infrastruktur muss endlich vorankommen.“ Zudem müsse Berlin den Soli auslaufen lassen und die substanzbesteuernden Elemente der Gewerbesteuer zu korrigieren.


Die großen Bedenken sind dieses mal schnell zusammengefasst: Kempf sieht wachsende internationale Unsicherheiten. Berechenbarkeit und Verlässlichkeit nähmen rund um den Globus ab. Der BDI-Präsident verweist auf die wichtigsten Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU: In China irritiert ihn der wachsende Einfluss der Kommunistischen Partei, in den USA bereiten ihm die Abschottungstendenzen Sorgen. Doch die Zuversicht für eine starke deutsche Wirtschaft dominiert.